NW #61 - Die Jahre - Folge 1

Shownotes

In der vorliegenden Episode beginnen wir Annie Ernauxs „Die Jahre“ und besprechen die Seiten 9-50.

Nach drei Episoden mit eher kürzeren Texten widmen uns nun wieder einem Roman. Annie Ernauxs „Die Jahre” scheint Autobiographie und Gesellschaftsporträt zugleich. Das Buch erzählt uns anhand von Fotografien aus dem Leben seiner Autorin, beschreibt jedoch aus der Distanz in der dritten Person. Nach einem Auftakt aus Erinnerungsfetzen, Werbespots, Sprichwörtern, Liedzeilen etc. wächst ein Mädchen vor uns auf, zwischen Familienfeiern, Kriegserzählungen und Nachkriegskonsum. Dabei geht es weniger um die großen Weltereignisse als um das Alltägliche und Banale. Ernaux legt Familienstrukturen, Konsumkultur, Religion, sowie die früh entstehenden Klassenunterschiede eines langsam wachsenden Kapitalismus frei. Zugleich reflektiert sie das Geschriebene und schafft so eine philosophische Auseinandersetzung über den Wahrheitsgehalt der eigenen Erinnerungen.

Viel Spaß beim Lesen und Zuhören! In der nächsten Episode besprechen wir die Seiten 50-100.

Ernaux, A. (2008). Die Jahre. (10. Auflage, S. 9-50). Suhrkamp Verlag.

Folgt uns gern auf Instagram (nachwort_podcast).

Diskutiert im Subreddit.

Schickt uns eine E-Mail an nachwort.literaturpodcast@gmx.de.

Timecodes: 00:00:00 - Begrüßung 00:08:36 - Annie Ernaux 00:13:09 - Handlung 00:17:10 - Diskussion 01:17:40 - Verabschiedung

Transkript anzeigen

00:00:09: Herzlich willkommen zu Nachwort dem Literatur Podcast, eurem Literatur-Podcast.

00:00:13: Mein Name ist Oliver Hahn und bei mir ist wieder Lukas Gröning.

00:00:16: Hallo Lukas!

00:00:18: Wir befinden uns in Folge einundsechzig von Nachwort und beginnen damit ein neues Buch.

00:00:25: Wir haben in den letzten drei Folgen drei kürzere Sachen besprochen.

00:00:30: wir haben darunter einen Comic so das könnten wir auch gerne noch mal machen glaube

00:00:34: ich.

00:00:35: Und dieses Mal beschäftigen wir uns mit einem, tja... Einem etwas anderen Roman würde ich mal sagen.

00:00:44: Wie kam es denn dazu?

00:00:46: Lukas, warum lesen wir das jetzt?

00:00:47: Also

00:00:48: ihr könnt das mal sagen was wir lesen!

00:00:50: Das ist die Jahre von Anja Noh.

00:00:52: Stimmt!

00:00:53: Also die Jahre vom Anja-Noh aus dem Jahr two-tausend acht.

00:00:56: Genau Ich habe das Buch ausgewählt und schon seit einiger Zeit glaube ich lieb das hier auf den Tisch.

00:01:00: Ich hab's auch schon seit einer Zeit im Regal tatsächlich und dachte ey das muss ich einfach mal hier Vorbringen und ich kannte tatsächlich die Autorin vorher überhaupt nicht, wusste auch erst mal gar nichts damit anzufangen.

00:01:12: Aber wie immer so bei mir geht vieles was sich zu rezipieren auch an Büchern usw.

00:01:16: auf Filme zurück weil das ja so eines meiner ersten Steckenpferde sag' ich mal persönlich ist.

00:01:20: Und ich hab nämlich in den Kino Club hier in Erfurt, grüße gehen raus, Programmkino und so sehr schön und habe den Film After Sun von Charlotte Wells geschaut.

00:01:33: Das ist ein britischer Film.

00:01:36: Viele werden den vielleicht kennen, es ist der quasi Durchbruchsfilm von Paul Mascal.

00:01:42: als Regisseur, wollte ich gerade sagen, als Schauspieler war so eine seiner ersten größeren Rollen also der, der dann in Gladiator II die Hauptrolle gespielt hat und auch bei Luca Guardagnino in Challenges mitgespielt hat.

00:01:52: Also mittlerweile schon eine echt große Nummer.

00:01:54: All Of Us Strangers ist auch ein sehr guter Film.

00:01:56: von ihm oder mit ihm ... zurückliches Erlebnis, sagen wir mal so.

00:02:01: Ganz kurz zur Handlung.

00:02:02: vielleicht mal... es geht darum dass ein Familienvater der eben von oder nicht Familienväter einen Vater muss man ja sagen gespielt vom Paumaske mit seiner Tochter einen Urlaub in der Türkei verbringt.

00:02:13: diese Tochter ist sehr jung noch also noch nicht mal Teenager Alter also so um die Zehen unter zehn Jahre vielleicht zu knapp und Sie verbringt da diesen Urlaub, es ist ungefähr so wie man sich in einem jungen Alter dann einen Urlaub vorstellt.

00:02:26: Also der Vater ist dann viel am Pool und so weiter und sofort.

00:02:28: Die Tochter versucht irgendwie Anschluss zu finden an verschiedene Kinder dort und so... Und es gibt dann auch so Pool-Bejahrspiele und so was im Rahmen, den wir vielleicht alle aus diesen Urlauben mit Eltern von früher kennen.

00:02:41: Es wird irgendwann klar, dass die Eltern getrennt sind Der Vater jetzt mit ihr quasi diesen Urlaub verbringt.

00:02:47: und was auch noch klar wird ist, dass wir hier keine objektive Realität sehen.

00:02:51: Sondern immer mal wieder schneidet der Film in die Gegenwart sozusagen also ins Jahrzehntausend zwanzig zur dreißigjährigen Tochter mittlerweile, die sich... Camcorder Aufnahmen aus diesem Urlaub anschaut.

00:03:04: Und es wird dann klar, dass eigentlich die einzig objektive Quelle dessen was wir sehen diese Camcoder Aufnahmen sind.

00:03:10: und alle anderen Aufnahmen die quasi ganz normal wie so eine diagetische Handlung des Films fungieren sind im Prinzip Erinnerungen Eindrücke die sie vom Urlaub mit ihrem Vater hat.

00:03:20: Es wird dann irgendwann klar das Sie sich seit dem Urlaub nicht gesehen haben und das spoiler ich jetzt mal ein bisschen ist wird auch nicht klar warum die sich seitdem nicht gesehen habe.

00:03:28: Das lässt der Film komplett offen.

00:03:30: Und das ist so eines dieser, ich habe danach einen Filmkritiker zu diesem Film auf YouTube gesehen und von einem sehr guten Kritiker der auch Filmwissenschaftler an der Uni Bonn ist.

00:03:41: Lukas Kursstedt heißt dort die zweite Produktion, kostenlose Werbung an dieser Stelle, liebe Grüße!

00:03:46: Er hat seine Kritik folgendermaßen betitelt mit Annie Arno im Kino.

00:03:52: Es war also klar, dass dieser Film irgendein Bezug zu dieser Autorin hat und er hat dann oder ist in diesem YouTube-Video darauf eingegangen auf einzelne Zitate aus ihrem Buch die Jahre.

00:04:03: Und hat eine Analyse dazu gebracht im Sinne von ja inwiefern Erinnerungen überhaupt objektiv sind, inwiefer sie vielleicht auch gefärbt sind durch eine moderne Perspektive des jetzigen Menschen sozusagen auf eine Art und Weise konstruiert sind, dass man sich nicht so ganz genau an bestimmte Momente erinnert.

00:04:23: Und dann quasi verschiedene Elemente da rumbaut und sich dann so eine eigene Form von Erinnerung schafft die eigentlich nichts mit objektiver Realität zu tun hat.

00:04:30: Der bezieht das dann wie gesagt auch auf Annie Arnaud.

00:04:32: und ich dachte dann... Ich kaufe mir dieses Buch!

00:04:35: Und ich habe das aber trotzdem seitdem nicht gelesen und es ist halt immer so, ist es halt im Schrank geblieben Und dachte, das müssen wir unbedingt mal lesen zusammen.

00:04:45: Da hätte ich sehr viel Lust drauf.

00:04:47: Du hattest es ja schon relativ zeitig angebracht hier?

00:04:50: Wenn wir mal überlegen was wir jetzt hier so lesen und was da im Regal rumsteht usw.

00:04:56: Irgendwie hatte ich die ganze Zeit diesen... Und dann ist es auch noch irgendwie so was wie eine Biografie.

00:05:08: So richtig Lust hatte ich da nicht drauf, habe mich da bisher erfolgreich dagegen gewährt und wusste nicht so richtig na gut ey ja komm.

00:05:20: und dann hast du dieses Cover da vorne drauf mit diesem schwarz-weißen Cover von der jungen Annie Arno und das wirkte alles so So schwer, so geschichtsträchtig schwer und hatte für mich so die diesen Vibe was ich jetzt nicht ist kann gleich schon mal sagen aber diesen Vipe von der... deutsche Filme, die im Nachkriegsdeutschland spielen und da ist ein Familienmitglied auch noch Krebs.

00:05:51: Und das ist immer so ganz schlimm-schlimm!

00:05:53: Da hat man immer so die ganze Checkliste von Oah, ist das übel!

00:05:57: Und so neunzig bis hundertzwanzig Minuten ist nur Leiden ja?

00:06:03: Diese Vibes habe ich irgendwie am Anfang mit diesem Buch verbunden und war so ein bisschen dagegen.

00:06:08: Was jetzt nur bei rumgekommen ist, würde ich dann gerne wie später nochmal machen.

00:06:12: Aber das war... Zumindest so meine, meiner Haltung diesen Buch erst mal gegenüber.

00:06:17: Und dann hatte ich bei Minimobs bestellt es kam nie an.

00:06:21: deswegen habe ich mir dann regulär gekauft um einfach den Markt ein bisschen.

00:06:25: Das ist irgendwann angekommen?

00:06:27: Ja genau

00:06:27: was ich auch noch dazu sagen kann ich dachte auch das passt jetzt tatsächlich ganz gut weil offensichtlich das werdet ihr dann merken is Anianos Buch einen Werk was sich easy peasy in die Post moderne einordnen lässt Und das ist ja etwas, mit dem wir uns in letzter Zeit sehr viel beschäftigt haben.

00:06:46: Vor allem in Vergessenheit natürlich von David Foster Wallace.

00:06:48: Daher auch dieses Thema Erinnerung nicht nur streift sondern Vergessenkeit ist ein programmatischer Titel mehr oder weniger.

00:06:57: Man musste zu sagen... was einem vorfällt, vielleicht auch noch so zu diesem Buch zieht.

00:07:01: Obwohl ich darauf nie wirklich Wert gelegt habe.

00:07:03: aber sie hat ja auch eine Literatur Nobelpreis bekommen für ihr Gesamtwerk.

00:07:07: allerdings dann und da ist die Jahre so gilt als Hauptwerk sag' ich mal wenn man da so in ihre Biografie reinschaut.

00:07:14: Ja das hat dann für mich den... Es hat es nicht besser gemacht vom Eindruck her.

00:07:19: Das war so ein bisschen wie als wir Hemmingway gelesen haben, der ja auch so übergroß ist und die graue Eminenz in der Literatur und jeder kennt den, jeden hat den besprochen.

00:07:31: Und das ist schon so schwer, so interpretationsschwer!

00:07:36: Und das habe ich dem jetzt auch einfach zugeschrieben.

00:07:41: Oh was machen wir damit jetzt nur?

00:07:44: Aber man muss hier einfach sagen Wir sind keine Historiker.

00:07:48: oder bist du es auch noch in irgendeinem Studiengang gewesen?

00:07:52: Nein.

00:07:52: Ich habe

00:07:54: mal Kunstgeschichte studiert, aber

00:07:55: nur

00:07:56: ein paar Semester.

00:07:58: Und wir lesen die Bücher so ... Wir haben halt kein Vorwissen, ja?

00:08:09: Also wir lesen

00:08:10: die

00:08:10: Bücher.

00:08:11: Wir können

00:08:14: ja nichts.

00:08:15: Ich bin hier einfach ein Casualeser der einen Buch in die Hand nimmt und mein Anspruch ist es das irgendwie unterhaltsam zu finden in irgendeiner Form wie auch immer ohne jetzt Begleitbände oder Guides nebenher noch laufen zu haben damit ich irgendwie die Sätze verstehe die dort passieren.

00:08:32: Mit dieser Haltung bin ich dann in dieses Buch reingegangen.

00:08:35: So, das kann man erst mal nur sagen.

00:08:36: Genau!

00:08:37: Wir wollen euch erstmal ein bisschen was zu Annie Arno erzählen... Ich muss dazu sagen, dass mir das im Vorfeld ein bisschen schwer gefallen ist und ich mir sogar überlegt habe macht es in diesem Fall überhaupt wirklich Sinn.

00:08:47: Weil du hast schon angesprochen wir haben sie hier im Prinzip mit einer Biografie zu tun, mit einer sehr einzigartigen Form von Biografien.

00:08:53: Trotzdem so ein paar Lebensstationen sind vielleicht gar nicht so schlecht obwohl ich fest davon ausgehe, dass wir vieles davon auch immer Rahmen dieses Buches wiederfinden werden.

00:09:02: Genau Anja Noh, nonzatvirtzig geboren in Lil Bonn im Norden Frankreichs hat ihre Kindheit in Ich bin mir ziemlich sicher, ich spreche das falsch aus.

00:09:09: In G'vetot verbracht... ...G'to oder so?

00:09:13: Also im französischen Ort einfach!

00:09:18: In der Normandie und war Sohn von Arbeiter mehr oder weniger, also war die Tochter von Kaffee- und Lebensmittelhändern.

00:09:26: Und hatte dann allerdings einen Bildungsaufstieg genossen, eben sie Literatur studiert hat... ...und danach tatsächlich Lehrerin am Gymnasium war und später noch Fernunterricht gemacht hat auch für Deutschland größtenteils.

00:09:37: Hat dann irgendwann geheiratet, aus dem Jahr nineteen.

00:09:38: sechszig zwei Söhnen sind daraus hervorgegangen,... ...hat sich dann neunzeigend achtzig wieder scheiden lassen und lebt seitdem in so einem Ort bei Paris.

00:09:52: Es gab so eine geprägende Erfahrung in ihrer Bibografie.

00:09:55: Wie gesagt, ich gehe davon aus dass wir das alles in irgendeiner Form dann hier wiederfinden werden.

00:10:00: Bereits vor ihrer eigenen Geburt starb ihre Schwester, was ihre Eltern ihr dann später noch erzählt haben.

00:10:05: Sie hatte eine illegale Abtreibung im Jahr neunzeigundsechzig.

00:10:08: Einen neunzenundseißig starb Ihr Vater als sie sieben und zwanzig Jahre alt war auch da.

00:10:12: vielleicht zu dieser Bezug zur Aftastan habe ich mir so ein bisschen vorgestellt weil das der Tod des Vaters Ein Thema ist oder eine Möglichkeit ist im Film sozusagen.

00:10:21: tatsächlich,

00:10:21: weil sie sich danach nicht wiedergesehen haben nach dem Urlaub.

00:10:23: Weiß ich dann auch nicht wieder gesehen wäre ja möglicherweise.

00:10:26: also es wird schon so ein bisschen nahe gelegt sein, dass er ohne das klar wird.

00:10:29: Sie hat ne Krebserkrankung selbst durch ihre Mutter starrt aus den Sechsten Achtzig dann Brustkrebs war es übrigens habe ich noch vergessen zu sagen und Das sind so die größten Lebensstationen eigentlich.

00:10:40: also es ist jetzt nicht so eine total Ich sag mal so aufregende Biografie im Sinne von, wir wirst vielleicht bei anderen Autoren und Autorinnen jetzt schon hatten die irgendwie

00:10:48: Rockstars

00:10:48: oder Rockstars genau.

00:10:50: Die irgendwie die Welt bereist haben und da diese krassen prägenen Erfahrungen gemacht haben, sondern diese prägenden Erfahrungen, die sie gemacht hat sind eher im Kleinen entstanden in persönlichen Schicksalsschlägen, Erfahrungen usw.. Ihr Schreiben begann sie in den neunzehntvierundsiebzig tatsächlich erst und hat sich dann in den achtziger Jahren so einen charakteristischen Stil erarbeitet.

00:11:10: Sie ist ja bekannt für eine knappe, distanzierte und sehr schlichte Sprache und ihre Autorenschaft wird oftmals als Auto-Soziografie verstanden oder so betitelt.

00:11:21: das bedeutet einfach dass Stationen des eigenen Lebens verbunden werden mit sozialem gesellschaftlichen Analysen der jeweiligen Zeiten in der diese Abschnitte dann sozusagen spielen.

00:11:30: Das machen wir nachher noch ein bisschen genauer.

00:11:31: Genau, sie hat sozusagen keine wirkliche Fictionalisierung in ihrem Werk drin und thematisiert oft dementsprechend Themen wie Klasse, Geschlecht, Körper Erinnerung und auch Charme.

00:11:43: in einer gewissen Art und Weise Wichtigste Werke kann man sagen, ist die leeren Schränke aus dem Jahre.

00:11:50: Ich werde die französischen Titel jetzt nicht vorlesen obwohl ich sie hier habe.

00:11:54: Das ist ein autobiografisch gefärbtes Debüt über Klassen-Scharme und Abtreibungen.

00:11:59: der Platz von threehundachtzig das ist so'n nüchterner Rückblick wenn man es will auf das Leben ihres Vaters wofür er sich auch in Frankreich sehr bedeutend preis gewonnen hat den Prix Renault Dort Prie renner dort oder so.

00:12:12: du guckst mich gerade zu anderen auf dich.

00:12:13: wow das ist ja wunderbar.

00:12:17: Eine frau aus dem jahrelang sieben achtzig da porträtiert sich ihre eigene mutter Die leidenschaft spricht sie über eine affäre die sie hatte und dann uns nicht war es noch hat sondern zwei tausend acht die jahre was quasi ihr haupwerk ist und quasi eine eigene autobiografie über das frankreich von nonschalt einen vierzig bis ins jahr zweitausend sechs.

00:12:38: Das sind so die größten Lebensstationen und so ein kleiner Überblick.

00:12:42: Und

00:12:42: den Nobelpreis, ne?

00:12:44: Stimmt!

00:12:44: Den habe ich komplett unterschlagen.

00:12:45: Ja, Nobelpreise für ihr Lebenswerk natürlich.

00:12:51: Ich dachte wir haben schon erwähnt vorhin da war das irgendwie klar genau.

00:12:54: Ich dachte nur der Vollständigkeit halber kommender sein.

00:12:56: Vollkommen richtig ja genau.

00:12:58: Genau das.

00:12:59: vielleicht erst mal zu Annie Arno.

00:13:00: Genaueres werden wir mit Sicherheit im Verlauf in den nächsten fünf Episoden erfahren, die wir hier für euch aufbereiten werden.

00:13:07: Genau!

00:13:07: So... Als nächstes hangen wir uns ein bisschen durch den Inhalt durch wie wir das immer machen um danach erstmal zu ergründen was haben wir jetzt hier?

00:13:19: Was haben wir gerade gelesen?

00:13:23: Das ganze Ding ist aus keiner Personen-Sicht geschrieben.

00:13:28: Nicht aus dem du, nicht aus dem er oder ich.

00:13:32: Das wird alles in Form von... Ich nenne es jetzt einfach mal ganz plump für allgemeinerungen beschrieben.

00:13:42: Also um was geht das?

00:13:44: Am Anfang des Buches werden viele verschiedene Bilder und Erinnerungen genannt.

00:13:50: Dazu gehören Menschen, Filmszenen, Werbesprüche, Redewendungen, Orte, Gesten- und kleine Alltagssituationen.

00:13:57: Diese Erinnerung stammen aus unterschiedlichen Zeiten und stehen teilweise direkt nebeneinander.

00:14:03: Danach geht es stärker um die Kindheit nach dem Zweiten Weltkrieg.

00:14:07: Die Erwachsenen erzählen bei gemeinsamen Mahlzeiten immer wieder von früher.

00:14:11: Besonders häufig sprechen sie über den Krieg.

00:14:14: Sie berichten von Bombardierungen, Gefangenschaft, Hunger, Flucht, deutschen Soldaten und von Menschen die nicht zurückgekehrt sind.

00:14:22: Für die Kinder sind diese Ereignisse bereits Vergangenheit aber sie hören die Geschichten immer wieder und wachsen mit ihnen auf.

00:14:30: auch der Alltag nach dem Krieg wird beschrieben.

00:14:32: viele Dinge sind knapp man wirft wenig weg Lebensmittel und Gegenstände werden sorgfältig verwendet.

00:14:39: Die Menschen sind daran gewöhnt mit wenig auszukommen.

00:14:42: Kinder spielen draußen und beschäftigen sich mit einfachen Dingen.

00:14:45: Besitz- und Konsum spielen im Alltag noch eine deutlich geringere Rolle.

00:14:51: Erno beschreibt außerdem viele Regeln, Sprichwörter und Vorstellungen die von den Erwachsenden an die Kinder weitergegeben werden.

00:15:00: Bei Familienfeiern wird viel gesprochen und die Erwachsenen erzählen von anderen Menschen, von Familien und von Ereignissen aus der Umgebung.

00:15:07: Dabei wird auch deutlich, dass die Menschen sich nach ihrer Herkunft ihren Beruf und ihre gesellschaftlichen Stellung unterscheiden.

00:15:14: Die Sprache innerhalb der Familie unterscheidet sich von der Sprache, die in der Schule verwendet wird.

00:15:20: Zu Hause werden bestimmte Redewendungen, Dialektausdrücke oder umgangssprachliche Wörter benutzt.

00:15:26: In der Schule allerdings lernt er nur eine andere Form der Sprachen kennen.

00:15:31: Im weiteren Verlauf geht es stärker um ihr Leben als Kind und später als heranwachsendes Mädchen.

00:15:37: Paris erscheint als ein wichtiger Ort, der sich deutlich von der eigenen Umgebung unterscheidet.

00:15:42: Und gleichzeitig wird das Leben in einer kleineren Stadt beschrieben, in der viele Menschen einander kennen und wissen zu welcher Familie jemand gehört.

00:15:51: Auch Krankheit und Tod kommen vor.

00:15:53: Kinder erleben dass andere Kinder krank werden oder sterben.

00:15:57: Krankenhausaufenthalte und Todesfälle gehören dadurch ebenfalls zu den Erinnerungen an diese Zeit.

00:16:03: Religion spielt im Alltag eine große Rolle.

00:16:06: Es gibt Gottesdienste, Gebete, kirchliche Feiertage und religiöse Regeln.

00:16:11: Vorstellungen von Sünde, Schuld und richtigen Verhalten sind im täglichen Leben präsent.

00:16:17: Mit zunehmendem Alter verändert sich auch die Welt der Jugendlichen.

00:16:21: Musik, Filme, Bücher und bekannte Persönlichkeiten werden immer wichtiger.

00:16:26: Jugendliche interessieren sich stärker für Dinge, die sich von der Welt der Erwachsenen unterscheidet.

00:16:32: Für Mädchen gelten besondere Regeln.

00:16:34: Über Sexualität wird kaum offen gesprochen.

00:16:36: Viele Informationen werden nur indirekt weitergegeben.

00:16:39: Körperliche Veränderungen, Beziehungen und Sexualität sind mit Geheimnissen, Andeutungen und Scham verbunden.

00:16:46: Gegen Ende des Abschnitts, den wir gelesen haben wird die Schule immer wichtiger.

00:16:51: Gute Leistungen eröffnen neue Möglichkeiten Und durch die Schule lernt Erno neue Bücher, neue Ausdrucksweisen und andere Verhaltensformen kennen.

00:17:01: Gleichzeitig unterscheidet sich das, was sie in der Schule lernt immer stärker von dem Leben und der Sprache ihrer Familie.

00:17:10: So!

00:17:11: Und damit kommen wir erstmal rein in alles das was uns aufgefallen ist und am wichtigsten natürlich Lukas wie ging es dir denn nachdem du die ersten Rit gelesen hast?

00:17:21: Ja also ich war in gewisser Weise vorgeprägt durch deine Erzählung.

00:17:24: erst einmal kann man sagen Wir hatten kurz vorher mal darüber gesprochen.

00:17:27: da hattest Du den Abschnitt oder ... ein Teil davon zumindest schon gelesen.

00:17:30: Das sind Bilder

00:17:31: am Anfang, aber diese Textfragmente?

00:17:33: Genau!

00:17:33: Diese Fragmente am Anfang und ich wusste noch nicht was auf mich zukommt hatte das zu dem Zeitpunkt auch nicht gelesen... ...und bin dann eingestiegen in den Leseprozess.... Und habe dann festgestellt ah ja das meinte Olli okay alles klar.

00:17:44: Da komme ich überhaupt nicht zurecht.

00:17:46: erst mal so richtig.

00:17:47: Ich war erstmal gewissenweise überfordert.

00:17:50: Ich konnte es für mich irgendwie einordnen.

00:17:52: da hat mir der Film tatsächlich sehr geholfen muss ich sagen.

00:17:56: nicht in Bezug auf spezifische Szenen oder sowas, sondern einfach nur was der Film meiner Meinung nach ausgesagt hat und... ich vermute das an die Ereignungsbuch auch machen wird.

00:18:05: Auf so eine ähnliche Weise.

00:18:07: Und war dann gewisserweise überfordert.

00:18:10: und danach ging es irgendwie und ich habe aber festgestellt dass es mir relativ trotzdem schwer gefallen ist durchzukommen weil man hatte vielleicht in deiner Handlungszusammenfassung gemerkt, so viel Handlung an sich gibt es gar nicht ne?

00:18:24: Eigentlich eigentlich ganz, ja.

00:18:26: Ganz wenig Handlung im Endeffekt und es sind eher so... ...dieses Schlaglichterhafte setzt sich eigentlich so ein bisschen fort was wir vom Anfang haben nur dass das ein bisschen geordneter ist wenn man so will ne?

00:18:35: Ja beziehungsweise überhaupt geordnet ist ne biografisch in die Biografie eingeweht.

00:18:41: Und ähm das is dann.

00:18:43: Das hat dieses Buch dann doch auf eine gewisse Weise schwer gemacht und hat bei mir nicht dazu geführt, dass ich es in einem gewissen Sinne genießen konnte und in so einen Flow kam.

00:18:51: Sondern das hat dafür gesorgt, dass sich quasi die ganze Zeit so ein Interpretationsdruck hatte.

00:18:55: Und das Gefühl hatte okay jederseits hat in irgendeiner Form eine bestimmte Wichtigkeit in sich und ist Teil einer großen thematischen Erzählung oder eines Themas oder mehrerer Themen, die Ania Noh uns hier vermitteln möchte.

00:19:10: weiß es schon sehr produktiv gewesen und hat dann auch ein befriedigendes Erlebnis bei mir bewirkt, sag ich mal.

00:19:18: Aber eher auch darauf hinaus, dass ich ein bisschen unbefriedigt zurückgelassen wurde im Sinne von das ich jetzt aufhören musste für diese Episode.

00:19:25: Weil eigentlich dachte ich, ich muss mir noch größeres Bild von dem machen was hier jetzt auf uns zukommt und möchte das gleich schon als Gesamtwerk sozusagen für mich wahrnehmen.

00:19:33: und diese bruchstücktafte Art und Weise macht es in unserem Podcast sehr schwierig das zu tun.

00:19:39: aber so kann man's natürlich auch sinnvoll das entsprechend detailliert mitzugehen oder quasi durchzugehen.

00:19:46: Ach du meinst, wer ist dein Liebster?

00:19:47: Ich war da gelesen um alles zu verstehen.

00:19:49: Richtig

00:19:49: ganz genau.

00:19:50: also ich bin nicht der Meinung dass man das am Ende vollständig verstehen kann was uns dann wahrscheinlich hier geliefert wird.

00:19:56: aber trotzdem hatte ich das Gefühl das was ich jetzt gelesen habe is auch in diesem Abschnitts nicht vollständisch.

00:20:01: ich brauche mehr davon um ein größeres Bild mir machen zu können.

00:20:06: Also wirklich im Sinne von.

00:20:07: es scheint mir einen Gesamtwerk zu sein was jetzt nicht wo jetzt die ersten Fünfzig Seiten nicht reichen ... um mich befriedigt daraus zurückzulassen.

00:20:15: Ja, ich glaube, ich habe es verstanden!

00:20:18: Okay... Ich war wirklich positiv überrascht.

00:20:24: Es ging... Das sind jetzt also fünftig Seiten ist nicht viel noch viele Absätze dabei gewesen und so.

00:20:31: Und trotzdem habe ich sehr langsam gelesen und habe tatsächlich am Anfang da werden ganz viele auch so Liedernamen genannt in einem französischen Titel und so Und man wird da so ein bisschen überfordert, also ich zumindest.

00:20:47: Weil die halt einfach alle nicht kennen sind.

00:20:49: und welche Chansons aus den Vierziger Jahren in Frankreich dort in der Gegend oder so... ...und ich habe ja am Anfang gesagt, ich will hier nichts Begleitendes!

00:20:59: Ich will nicht ständig googeln oder einen Buch nebenbei haben.

00:21:02: Deswegen habe ich am Anfang für mich beschlossen alles was ich nicht kenne, was sich nicht verstehe.

00:21:06: das bleibt auch erstmal so.

00:21:08: Ich lese da einfach erst mal drüber weg Und wenn es mir später nochmal wichtig ist, dann kann ich das ja noch mal nachgucken.

00:21:15: Und wenn nicht?

00:21:16: Dann nicht!

00:21:17: Es muss für mich erst mal reichen und es hat's tatsächlich getan.

00:21:20: Ich fand es tatsächlich sehr bewegend zwischendurch weil also gerade diese Sequenzen aus Kinderperspektive... Er ist sehr weit gefasst.

00:21:34: Er beschreibt, dass sich die Erwachsenen unterhalten in so einem Fest.

00:21:37: Alle treffen sich da, sitzen am Tisch und erzählen dann irgendwas... ...und die Kinder spielen so drum rum!

00:21:42: Das kenne ich auch aus meiner Vergangenheit.

00:21:45: wenn dann irgendwelche Geburtstage von Opa Irgendwer oder Onkel Sohn so war.

00:21:49: Dann treffen sich ja auch alle und als Kinder hängt man da irgendwie mit rum und muss irgendwie nur stillsitzen, wenn es halt an den Tisch geht.. ..und ansonsten macht man irgendwie Quatsch mit den anderen Kindern, die man ja auch sonst nicht sieht Und gleichzeitig erfährt man so die Geschichten von dem, der hat damals, weißte noch letztes Jahr zum Geburtstag, hat er und so.

00:22:09: Diese Atmosphäre da bin ich sofort wieder drin, also reingesogen worden.

00:22:14: Es hat mich sofort erinnert.

00:22:15: Ich hatte richtig Orte vor Augen wo diese Feste gefeiert wurden oder alte Häuser von irgendwelchen, was weiß ich groß, urgroß Onkeln oder wie auch immer da.

00:22:24: diese Verwandtschaftsbeziehungen waren irgendwo aufm Dorf Und könnte mich da so gut identifizieren damit.

00:22:34: Es war alles keine Nachkriegszeit, aber wie das alles so weitergegeben wird.

00:22:38: Wie die Leute am Tisch reden und sprechen und denken, oh Mensch mein Papa, du redest ja ganz anders sonst wenn wir zu Hause sind.

00:22:43: Aber hier weißt Du so?

00:22:46: Ich fand es total gut.

00:22:48: und diese Schlaglichter, die sie geworfen hat, die waren total effektiv.

00:22:53: Das sind teilweise kurze Sätze gewesen Aber auch nur so für sich stehen zwar in einem Absatz, so drinnen.

00:23:00: So im Block aber der block ist meistens gar nicht thematisch groß also ist mir noch nicht aufgefallen irgendwie so sortiert ja Die hält sich auch nicht lange bei mit irgendeinem Thema auf sondern die macht eher so Dauerfeuer über bestimmte Aspekte vom gesellschaftlichen Leben zur Nachkriegszeit und jedes hat so eine eigene Wirkung.

00:23:23: Da kommen Sätze, keine Ahnung.

00:23:25: Darf ich mal kurz was vorlesen?

00:23:27: Einfach nochmal... Ich glaube es im Grunde wurscht, was man hier so lesen kann.

00:23:38: Ach du!

00:23:39: Ich habe mir vorhin etwas rausgesucht, der ist die siebenundzwanzig genau.

00:23:42: Ja wir werden auch noch genügend Lesestellen haben.

00:23:44: Dann

00:23:45: machen wir das nachher.

00:23:46: jetzt nichts vorbereitet aber das war so lebendig Wenn man so ein... Du guckst die Dokumentationen aus der Nachkriegszeit.

00:23:56: Und dann hast du ja auch dieses Filmaufnahmen, wo diese Leute in diesem schwarz-weiß mit einer seltsamen Framerate durch die Sachen spazieren oder plötzlich die Tante vom Wäschekorb aufwinkt und weil er nur gerade irgendjemand filmt.

00:24:13: So einen Gefühl hatte ich da als würde ich eine Dokumentationslesen, die eigentlich ein Film sein könnte.

00:24:19: einfach nur Ausschnitte und kommentiert nichts dazu.

00:24:24: Oder immer mal nur so einen Satz oder eine Stimme, die das Gesehene kommentieren.

00:24:29: Und ich fand es richtig gut.

00:24:32: Sehr schön!

00:24:33: Es hat mir

00:24:33: wirklich gefallen.

00:24:34: Ich habe mich geärgert, dass wir es nicht schon früher gelesen haben...

00:24:38: Wirklich?

00:24:38: Ja, absolut.

00:24:39: Eine Sache auf die ich gleich mal direkt eingehen möchte, die du schon gesagt hast nämlich dass du auch ganz viele Erinnerungen an deine eigene Kindheit zum Beispiel irgendwelche Lebensstationen hattest wo du dich wieder erkannt hast in dem was wir hier gelesen haben.

00:24:50: das ging mir ähnlich und ich glaube es hat auch den Hintergrund das Anja Noh eigentlich so macht dass sie nie wirklich die orte, die figuren genauer beschreibt sondern das alles so wie so schatten eigentlich an der wand bleiben.

00:25:05: Die wir irgendwie zu den wir irgendwelche assoziationen aufbauen.

00:25:08: Die wird dann wiederum auf unser eigenes leben auch beziehen.

00:25:10: also gerade die unklarheit der figuren und der räume uns sorgt dafür dass es eine art projekzonsfläche ist die wir auch selber drauf legen können sozusagen oder uns darauf projizieren können.

00:25:19: deswegen Stellt sich, glaube ich auch die Verbindung zur Leserschaft bewusst hierher würde ich sagen.

00:25:26: Ja also es hat auf jeden Fall funktioniert.

00:25:29: und genau wir haben keine Figur.

00:25:31: Wir haben keinen Protagonisten den wir über die Schulter gucken oder dem wir in den Kopf gucken oder so sondern wir haben nur das was wir von außen ganz schnell sehen ja und noch nicht mal irgendwie ähm hier so äußerliche Beschreibungen der mit der Glatze der mit dem Haarkrantz oder was auch immer sondern ist einfach Die Erwachsenen.

00:25:51: Genau, ja...

00:25:52: ...die die Väter oder so aber...

00:25:55: Ich lass uns das mal chronologisch durchgehen denn das beginnt ja nicht mit diesen ganzen Erzählungen aus der Kindheit und so weiter und sofort und es gibt hier quasi verschiedene Dinge über die wir sprechen können.

00:26:04: Das erste was tatsächlich vor dem eigentlichen Text schon ist sind zwei Zitate.

00:26:09: zum einen von Jose Ortega Igaset Wir haben nur unsere Geschichte und sie gehört uns nicht einmal.

00:26:15: Und dann dieses etwas längere Zitat von Anton Tschechov der da schreibt, ja man wird uns vergessen.

00:26:22: Das ist unser Los, das lässt sich nicht ändern.

00:26:25: Alles was wir für ernst bemerkenswert und wesentlich halten wird mit der Zeit vergessen sein oder unwichtig erscheinen.

00:26:30: Und das Interessante daran ist dass wir jetzt überhaupt noch nicht wissen können Was man in Zukunft einmal bedeutend und wichtig nennen wird und was gering und lächerlich?

00:26:39: Es kann sich ergeben dass unser Leben das uns ganz leidlich erscheint den Menschen später einmal seltsam unbequem Unklug nicht ganz rein ja vielleicht sogar sündhaft vorkommen wird.

00:26:47: also im Prinzip ich habe mich da erinnert geführt.

00:26:51: Wir hatten auch letztens mal eine etwas längere Autofahrt zusammen und da hatten wir mal ganz kurz über David Lynch gesprochen.

00:26:56: Und es gibt ja diesen berühmten Internet als Interview Ausschnitt mit David Lynch uns, jetzt fällt mir der Name des Schauspielers nicht ein dieser Schauspiller aus A in Harry Dean Standen und David Lynch interviewte Harry Dean standen und fragt ihn wie würdest du dich beschreiben?

00:27:13: Und er sagt als gar nichts ist es gibt keinen selbst sozusagen.

00:27:17: und dann wird er nochmal gefragt, wie würdest du gerne erinnert werden?

00:27:21: und er sagt das ist vollkommen egal.

00:27:23: Und das ist im Prinzip genau das.

00:27:25: also wir nehmen quasi oder das wäre so die Position die hier vertreten wird meiner Meinung nach.

00:27:29: Wir nehmen sozusagen unsere eigene Biografie unserer eigenen Tätigkeiten Handlungen Verhaltensweisen uns weiter als super wichtig war.

00:27:36: aber im ultimativen Kontext macht es in diesem Sinne eigentlich keinen Unterschied weil's uns quasi irgendwann nicht mehr geben wird beziehungsweise Die Erinnerungen uns auch irgendwann verblassen wird.

00:27:45: und diese Form von Dieses Thema Erinnerung, wie wird man sich an etwas erinnern und so weiter und sofort?

00:27:51: Das ist quasi ein Thema was hier quasi gesetzt wird.

00:27:54: Und was man dann quasi auch in den ganzen Romanen mitnehmen kann.

00:27:57: Wir kommen ja danach direkt zu dieser Einleitung die aus diesen Details, diesen Schlaglichtern besteht.

00:28:02: Du hast schon ein bisschen angedeutet das wir da alles haben also diese Alltagsmomente.

00:28:05: Da wird zum Beispiel beschrieben wie eine Frau hinter einer Bar gepinkelt oder wie sich einen Mann auf einer Zugfahrt befriedigt.

00:28:11: Es gibt ne kleine Erzählung zu einem Plumsklo In Lil Bonn.

00:28:14: es gibt Momente aus fiktionalen Stoffen die zitiert werden also aus Filmen oder aus bestimmten Fotografien und so weiter.

00:28:21: Werbespots werden hier zitiert, Momente von Reiseerlebnissen es ist da zum Beispiel die Rede von Mumien, die in Palermo gesichtet wurden oder einen besonderen Haus in Venedig.

00:28:30: Es gibt romantische und sexuelle Begegnungen, die hier geschildert werden Also die Begegnung einer Person mit einem Mann zu einer gewissen Jahreszeit.

00:28:39: So Sprichwort Arte, Geredewendungen und Sätze bis hin zu Vulgärsprache.

00:28:42: Also zum Beispiel dass da mittendrin einfach mal steht was haben eine Frau und Dachpappe gemeinsam?

00:28:47: wenn man sie nicht ordentlich nagelt liegen Sie bald bei Nachbarn.

00:28:50: solche Sprüche sind dann dazwischen und auch noch so Fachbegriffe deren Definition einem Laien erstmal ich würde sagen unklar ist.

00:28:57: also Annamnesis, Epigonä, Deontologie.

00:29:02: So Sachen die man erst mal nachschlagen musste wer oder weniger das wird in diesen Sätzen glaube ich auch so gesagt.

00:29:06: also das wird auch umschrieben als Worte die man mal nach schlagen muss der Definition nicht erst klar ist ne?

00:29:12: Es gibt dann noch solche Sätze deren Bedeutung komplett interpretationsbedürftig ist also existieren es trinken ohne Durst Zum Beispiel, es gibt gewisse Liedtexte und auch Erinnerungen an zum Beispiel inzwischen tote Eltern.

00:29:24: Und das ist nicht ganz klar wer diese ganzen Erinnerung hat, wer das hier alles aufschreibt.

00:29:27: also offensichtlich eine Ahnung.

00:29:29: aber welche Sprecherpositionen ist das halt innerhalb dieser Geschichte wird?

00:29:32: Unklar oder ist unklar und das bleibt auch ne ganze Zeit unkler.

00:29:37: Das sind im Prinzip erstmal so kleine Schlaglichter die im Prinzip verdeutlichen dass Erinnerungs- oder ich fange mal anders an wir lesen ja hier eine Biografie orientieren sich immer sehr stark an bestimmten großen Ereignissen, die vielleicht auch die Menschen, die diese Biografie kennen oder lesen bereits kennen.

00:29:58: Also irgendwelche großen historischen Eregnisse beispielsweise.

00:30:00: Oder wenn man sich eine Sportler-Biographie durchliest dann ist natürlich die Rede von diesem ganz großen Spiel was jeder sowieso schon gesehen hat oder irgendwie mitbekommen hat und im kulturellen, popkulturellen Gedächtnis sozusagen geblieben ist.

00:30:12: Sie macht hier im Prinzip klar dass es eine andere Form von Biografie ist, nämlich eine Biographie die sich um die ganz kleinen Momente drehen wird diese ganz kleine Momente des Alltags oder bestimmte Ideologien die einem immer wieder hervorgetragen werden die dann dafür sorgen das ein Mensch auf einer bestimmten Art und Weise geformt wird Und dann erst zudem wird was er dann im Endeffekt ist.

00:30:32: also Das ist auch etwas was man wenn man so finde ich wenn man an seine eigene Biografie so denkt, immer wieder vorfindet.

00:30:39: Dass man immer wieder an kleine Momente zurückdenkt von denen man vielleicht anderen noch nie erzählt hat oder irgendwelche Auseinandersetzungen die dann irgendwann verschwiegen wurden, die aber im Hintergrund, im hinteren Gedächtnis dann irgendwie noch geblieben sind und die immer mal wieder aufflackern im Verlauf eines Lebens.

00:30:53: Und Anja Noh macht klar dass es genau diese Momente sind, die eigentlich einen Menschen ihrer Meinung nach glaube ich formend würden.

00:30:59: und um diese kleinen Momente dreht sich dann auch in der Zukunft der Roman.

00:31:03: Es gibt so... Offensichtlich eine gewisse Struktur, anhand derer sich der Roman entlang hangelt.

00:31:09: Das sind diese Fotografien die sie sieht von einem Mädchen was sich entwickelt offensichtlich es scheint dasselbe Mädchen zu sein und irgendwann wird dann auch an einer Stelle klar das quasi auch.

00:31:21: also sagt ja nicht ich ging da oder zur Schule sondern spricht immer in der dritten Person von ihr.

00:31:27: aber irgendwann wird auch klar dass es sie ist um die es geht.

00:31:31: Sie beschreibt dann nämlich später einmal, dass wenn die Erwachsenen am Tisch über die Vergangenheit sprechen, dann reden sie nie von.

00:31:37: ich habe das in das erlebt.

00:31:37: Sondern sie sagen immer ja man ging dann zur Schule und man hat das in es gemacht.

00:31:42: Und dann wenn wir spätestens in Anni-Ernoß Schulzeit angekommen sind spricht sie wieder genauso.

00:31:47: Dann schreibt sie auch, ja man ging dann in die Mensa.

00:31:50: Man hat dann dort gegessen und so weiter.

00:31:51: Man traf sich nach der Schule mit Freunden und so... ...und dadurch wird diese Assoziation klar.

00:31:55: okay das ist die Autorin, die hier über ihr eigenes Leben reflektiert sozusagen.

00:31:59: Ja genau!

00:32:00: Ich glaube wir müssen noch ein bisschen unterscheiden zwischen der, weiß ich nicht wie ich das nenne Perspektive von Gedächtnis oder vom Inneren behalten.

00:32:09: Also diese Anfangssequenzen, die wir da haben, ne?

00:32:13: Diese zusammengewürfelten Spots sage ich jetzt mal, bevor der eigentliche Text losgeht.

00:32:20: Das ist wie so ein Aufflacker von einem selbst.

00:32:24: Man ist keine Ahnung.

00:32:24: es geht irgendwie spazieren oder steht unter der Dusche oder macht gerade irgendwas und ploppt grad irgendwas hoch nur ganz kurz und dann verschwindet's aber auch ganz schnell wieder und ist erstaunt darüber woran man sich alles noch was einem grade plötzlich jetzt irgendwie aus der Erinnerung Bewußt sein gefallen ist

00:32:44: welches song unter der dusche oder sowas.

00:32:46: Irgendwas so.

00:32:48: und dann denkt man plötzlich noch mal an nine eleven das kam mit einer auch nochmal vor so so ein kram was vielleicht für den aktuellen stand vielleicht gar keine rolle spielt.

00:32:56: aber irgendwie erinnert mich sich daran dass es weg.

00:32:58: und dann kommt dann irgendwas nächstes.

00:33:01: das ist dass diese Sachen sehr, sehr subjektiv sind.

00:33:05: Weil dieser Erinnerung hat nicht jeder so und sind vielleicht auch einfach nicht jedem wichtig.

00:33:09: Das ist das, was das Zitat am Anfang gesagt hat.

00:33:12: kann keiner sagen, was jetzt wichtig ist und was nicht wichtig ist.

00:33:14: Das erstmal sehr persönlich.

00:33:19: Manche Erlebnisse werden ja auch geteilt.

00:33:22: wenn man irgendwelche Erlebnisse hat Der eine vergisst es und der andere kann sich noch lebhaft daran erinnern, weil er einfach was anderes damit in Verbindung bringt.

00:33:32: Und das ist glaube ich nur so der erste Teil.

00:33:35: Als nächstes wenn dann der Text losgeht geht es eher darum diese Sachen irgendwie zusammenzukriegen dass daraus ein Bild entsteht von einem einzelnen erinnert werden kann, sondern was von einer von der Gesellschaft erinnern wird.

00:33:59: Also das ist das was du am Anfang meintest mit dieser Autosoziografie oder sowas.

00:34:04: Das es irgendwie darum geht dass sie ihr Leben... nicht als ihr Leben beschreibt, sondern als Teil von einer bestimmten Zeit.

00:34:14: Als Teil von einem bestimmten Klasse oder in einem bestimmte historischen Kontext der Nachkriegszeit einbettet ohne dass es speziell um sie geht... Das war so.

00:34:31: Oder Mann hat damals das und das gemacht, das hattest du jetzt auch gerade gesagt... ...und dieses Mann hat, das ist ja eine Vorallgemeinerung für das... Im Grunde haben das alle gemacht.

00:34:41: Außer die Selzer haben nicht aber im Grunde hat man auf den Vater gehört.

00:34:46: Man hat zu Hause so gesprochen und man hat in der Schule anders gesprochen oder man hat dann irgendwann irgendwelche Stars angehimmelt.

00:34:56: So, das war halt so ein Ding!

00:34:57: Und damit zieht sie das so, zieht sich das größer und bettet sich dann irgendwie ein.

00:35:04: Deswegen glaube ich müssen wir so ein bisschen gucken was ist jetzt hier... dass es nicht um ihre persönlichen Erinnerungen geht schon weil das ist ja immer noch irgendwie eine Biografie aber Sie verkauft es nicht als das?

00:35:14: Ich glaube beides steht nebeneinander.

00:35:16: also du hast schon recht dass diese großen Erzählungen schon eine Rolle spielen.

00:35:19: Also sie spricht dann später auch ab dem Alter von acht Jahren So ein Foto von sich, erzählt dann aus dem Urlaub vom Alltag werden des Schülerlebens und so weiter und sofort.

00:35:29: Und spricht aber auch davon wie sich die Gesellschaft in dieser Zeit nach dem Krieg entwickelt.

00:35:34: Also das ist quasi... davon, dass es die Formung von verschiedenen Bevölkerungen in Frankreich gibt und das sich dann quasi so eine Art Klassengesellschaft bildet.

00:35:42: Also es gibt dann die Armen, es gibt die Arbeiter, es gibts die Bildungsbürger- und Akademiker, die ist dann in der großen Städte wie Paris usw.

00:35:48: zieht und so.

00:35:50: Es ist ne Entwicklung oder eine Gentrifizierung zu sehen.

00:35:54: also alles wird städtischer sozusagen, alles entwickelt sich sozusagen und quasi so.

00:35:57: ne Entwicklung des Kapitalismus wenn man so will und ne Entwicklung von Konsum und so weiter und sofort.

00:36:02: und dann tauchen aber trotzdem immer wieder diese kleinen Schlaglichter auf ... die entweder auf ganz persönliche Erlebnisse kommen.

00:36:09: Das steht dann auch wiederum neben so einer Form von Alltag-Werdung, wo sie dann auch sagt ja... ...die Jahre vergingen und immer wieder haben wir also das Jahr hat sich dann strukturiert um gewisse Ereignisse.

00:36:19: es gab dann Jahrmärkte, es gab das Weihnachtsfest Ostern usw.

00:36:22: Also auch das was wir alles kennen war so eine gewisse Form von Routine eben am Verleid.

00:36:27: Und dann gibt es aber auch immer wieder diese einzelnen kleinen Momente, an die sich glaube ich nur sie in dieser Intensität erinnert wie kein anderer Mensch.

00:36:34: Weil andere Menschen sich an andere spezifische Sachen erinnern.

00:36:37: und es gibt so kleine Formen von Philosophieren über Erinnerung mehr oder weniger, die dann auch zwischendrin einfach mal stehen wo dann auch mal... ...die eigene Erinnerungen infrage gestellt wird, wo auch interpretiert wird okay Wie erinnernt sich andere Menschen an bestimmte Ereignisse?

00:36:51: So weiter und sofort.

00:36:52: also dieses Thema wird dann immer wieder spielt dann immer eine Rolle baut dieses Thema der Erinnerung an die Vergangenheit aus.

00:37:00: Das war aber auch was, was ich quasi durch diesen Film hier mit reingenommen habe muss ich ganz ehrlich sagen weil das ist das große Thema dieses Films und da war ich quasi so ein bisschen gesettet.

00:37:08: Aber man kann natürlich auch sagen dass Cheshire Zitat nimmt es auch vorweg mehr oder weniger also es baut ja darauf auf dann auf diesem Zitat dann mehr oder weniger genau.

00:37:16: Also ich würde gerne nochmal kurz etwas vorlesen.

00:37:18: Ich hab jetzt hier eine Stelle gefunden Seite zwanzig unten links der Absatz.

00:37:24: Nach dem Krieg erwachte bei Familienfeiern, beim Mahlzeiten die sich endlos in die Länge zogen.

00:37:29: Die angebrochene Zeit zum Leben.

00:37:31: Jene Zeit auf die die Erwachsenen manchmal zu starren schienen wenn sie uns keine Antwort gaben und ihr Blick sich in der Ferne verlor.

00:37:39: jene Zeit in der man noch nicht gewesen war und in der mal nie sein würde – die Vergangenheit.

00:37:46: Der vielstimmige Chor der Erwachsenen hob zu kollektiven Erzählungen von Ereignissen an, die man nach einer Weile tatsächlich miterlebt zu haben glaubte.

00:37:54: Die Erwachsenden wurden nicht müde vom Hunger-Winter XLIV zu erzählen – von der Kälte und den Steckgrüben, den Lebensmittelengpässen und Tabakmarken, von dem Bomben, vom Lichtschein am Himmel, der den Krieg ankündigte, vom Dreck aus Fahrrädern und Pferdekarren nach der Kapitulation, von den Plünderungen usw.

00:38:14: Man kriegt so ein Bild von was so die Themen sind.

00:38:18: Die Themen der alten, der erwachsenen Generation und gleichzeitig beschreibt sie dann auch dass die Kinder also ihre Generation mit so einer Art Wehmut oder nennen wir es mal romantisierter Wehmutt darauf geschaut haben immer mit diesem Gedanken ach man hätte ichs auch erlebt diese großen Geschichten die den könnte ich jetzt Da könnte ich auch diese Geschichten erleben.

00:38:45: Und aus diesen Geschichten wurde ja dann Alltag, da wurden so was wie du bist Mädchen und hast dich so zu verhalten.

00:38:54: die Jungen müssen sich so verhalten.

00:38:56: wir müssen hier sparen.

00:38:58: es gibt nur begrenzt von irgendwas.

00:39:01: Also am Tag beschäftigst du dich bitte draußen weil wir müssen irgendwie die Stadt wieder aufbauen oder dafür sorgen ergibt sich dadurch so etwas wie eine soziale Norm, wie man sich zu verhalten hat.

00:39:15: Also diese großen allgemeinen Geschichten aus der Erwachsenenriege tröpfeln so durch und verändern sich.

00:39:21: mutieren zu Verhaltensanweisungen an die Kindergeneration?

00:39:28: Ja

00:39:28: absolut das steckt ziemlich viel drin.

00:39:32: ich finde das fand es auch sehr spannend.

00:39:35: also Genau, also wie sich Gesellschaft quasi formt über Sprache.

00:39:39: Über die Verhaltensweisen der... der Vorgängergeneration, das wird auch an einer Stelle sehr explizit gemacht.

00:39:45: Dass sie sich dann auch so verhält wie Sie sich... Also dass schon die kleinsten Gesten im Prinzip auf eine Art und Weise weitergegeben werden, dass sie wiederholt werden.

00:39:53: Ja genau!

00:39:57: Das ist ja auch so ein Erinnerungsaspekt in Prinzip.

00:39:59: also man verhält sich so wie sich die vorherige Generation quasi erinnert hat an die Verhaltensweisen, wie sie es selbst mal weiter gegeben bekommen hat sozusagen.

00:40:07: Genau das gibt's quasi weiter.

00:40:08: an die nächste Generation fungiert Erinnerung quasi auch als so eine Art statisches Konstrukt, was immer wieder neu aufgebaut wird.

00:40:18: quasi über die verschiedenen Generationen hinweg.

00:40:20: Ja, das ist ja auch die Funktion von Traditionen.

00:40:23: Tradition und Rituale führt ja dazu dass das Wissen aus der einen Generation in die nächste Generation irgendwie weitergegeben wird.

00:40:31: Dass sie sich dann natürlich anders verhalten oder irgendwie auch den Gegebenheiten anpassen.

00:40:35: Das ist natürlich wieder was anderes weil es entwickelt sicher hier alles so ein bisschen.

00:40:40: man kommt raus aus diesem minimal Horizont des eigenen Dorfes Die beste, die man da hat und jeder kennt jeden hinaus zu... Guck mal das Paris.

00:40:52: Und guck mal!

00:40:53: Da gibt es jetzt Musik oder Bücher oder Filme und dann wird plötzlich die Welt endlos groß.

00:40:58: für die Jugend ja?

00:41:00: Und die Erwachsenen-Generationen für die nicht.

00:41:04: Ja.

00:41:05: Die sind noch in dem... Das bleibt alles so wie's ist.

00:41:09: Das haben wir schon immer so gemacht.

00:41:10: Das hat funktioniert was ja auch stimmt.

00:41:13: Deswegen machen wir das jetzt auch immer noch so weiter.

00:41:17: Und es ist auch oder Annie Anno beschreibt ja auch so ein bisschen das Problem, was es sozusagen mit Erinnerung oder mit dem Fortschritt sage ich mal einer Gesellschaft gibt.

00:41:27: Nicht in einem... quasi Fortschrittsgedanken im Sinne eines, es muss immer mehr werden und so weiter und sofort sondern einfach im Sinne von Es braucht neue Ideen.

00:41:35: Es muss sich etwas entwickeln usw.

00:41:37: Sie macht an einer Stelle auch relativ klar dass du dieses Fortschutzdenken des Kapitalismus was ihr dann später beschreibt das sie das kritisch sieht.

00:41:43: also da werden ganz viele verschiedene Begriffe irgendwie einander gereiht die quasi neue Produkte neuer keine Ahnung Kleidungslinien, Lossions und soweit und so fort.

00:41:52: und sie beschreibt es relativ nüchtern.

00:41:55: aber es hat in dieser Zusammensetzung natürlich eine Ironisierung dass wir als Leser denken, natürlich ist das kein Fortschritt.

00:42:01: Aber trotzdem sagt sie im Prinzip, dass genau diese Statik dafür sorgt oder die Statik der Ideologien sozusagen, dass keine richtige Entwicklung quasi möglich ist.

00:42:11: und das hat auch was damit zu tun, dass Erinnerung von ihr hier beschrieben wird als eine Form von subjektiven Erlebens Und alles was auf eine andere Weise überliefert wird durch verschiedene Medien und so weiter, kann niemand diesen emotionalen Bezug zu uns haben.

00:42:28: Das ist wirklich als Teil unserer Lebensrealität einsickert.

00:42:31: Sie sagt an einer Stelle dass die Menschen oder diese älteren Menschen sich immer nur an die Kriegserzählungen sozusagen knüpfen oder davon erzählen... ...die sie selbst erlebt haben.

00:42:40: Sie sprechen nicht zum Beispiel von Auschwitz usw.

00:42:43: Obwohl Auschwiz ja auch überliefert wurde durch ... Fotos durch Filme dann im Verlauf der Zeit und so weiter.

00:42:48: Und sofort, ne?

00:42:49: Das fand ich eine sehr interessante Stelle.

00:42:50: Richtig ja!

00:42:51: Also

00:42:51: dachte ich ja stimmt... Ja!

00:42:53: Genau.

00:42:55: Der Punkt ist nur vielleicht also... Der Punkt is dass die Elterngeneration klar die ganze Zeit über irgendwelche Kriegserlebnisse von sich selber aber auch von irgendwelchen Bekannten und Freunden und anderen Familienmitgliedern gesprochen hat.

00:43:09: Aber so große Ereignisse wie Auschwitz oder die Atombombe.

00:43:17: Die haben dort in der Zeit währenddessen nicht stattgefunden, weil eben dieser Erlebnis-Horizont so klein war, kleinen Anführungsstrichen aber sehr persönlich und diese Sachen von Auschwits und Hiroshima im Nachgang erst erfahren wurden und somit von dieser Generation gar nicht in einen Zusammenhang oder zumindest auch in einem zeitlichen Zusammenhang bar in Zusammenhang gebracht werden kann.

00:43:44: Ganz genau, und ein Thema was ihr quasi mit diesen Fotografien aufmacht ist ja dass sich Erinnerung auch über Medien beispielsweise formt.

00:43:51: also sie schaut sicher diese Bilder an und formt danach quasi man hat so den Eindruck währenddessen die Erinnerungen an die damalige Zeit und schreibt das dann so runter.

00:44:01: Sie sagt dann aber in einer Stelle eben genau das, dass Geschichtsbücher Dokumentationen und Spielfilme als Gegenwartserleben wahrgenommen wurden.

00:44:08: Und nicht als Vergangenheitserleben.

00:44:10: also das was diese Menschen quasi selbst in den Trümmern in Frankreich erlebt haben ist deren Vergangenheit erleben also deren unmittelbare Erinnerungen daran wie sie fest verankert haben in der gewissen Weise die auch eine gewisse Form von Brüchigkeit hat.

00:44:21: Aber durch diesen emotionalem Bezug zu diesen Ereignissen ist die klarer sozusagen.

00:44:26: und aber die Dokumentations die wir ja jetzt im Nachhinein gesehen haben an irgendwie die Zeit von neun, zwei, drei und dreißig bis viertzig in Deutschland beispielsweise.

00:44:33: Da gibt es ja ganz viele Dokus dazu zum Beispiel, dass das quasi für uns nicht Vergangenheitserleben ist sondern es ist eine Form von Konsumprodukt was wir in der Gegenwart eigentlich erleben und wo wir quasi sicher sein können okay das ist Vergangenheit in einer gewissen Weise und wir haben nicht diesen emotionalen Bezug dazu, dass quasi... Dass das so eng mit uns verknüpft ist, dass es bleibt

00:44:58: Das merkt man, wenn man so was schaut.

00:45:01: Man kann das ja richtig nüchtern betrachten wie Hitlers Helfer Teil fünfzehn oder so.

00:45:06: aber dass in einen Sinn zusammen also in einem Erlebniszusammenhang zu bringen zu sich selber du pass mal auf das ist hier passiert.

00:45:13: das ist keine hundert Jahre her das is hier das war hier allgegen wert das war deren Realität immer noch hier und diese Stadt in der es passiert ist Die gibt es ja noch.

00:45:24: Das fällt schwer, diese Brücke zu schlagen.

00:45:27: oder auch wenn man hier in Weimar, in Buchenwald ist und sich das alles anguckt – das ist natürlich örtlich gesehen näher und dadurch dass die Gedenkstätte ist macht das irgendwie... greift das einen nochmal anders als wenn man's einfach nur durch den Film guckt?

00:45:43: Aber letztendlich ist es nahezu unvorstellbar für uns da irgendwie ... in diesen Wahnsinn reinzugucken und das irgendwie zu schnellen, dass... ...das Jahrteil unserer Vergangenheit ist.

00:45:58: Also unsere immer noch die Leute gibt es noch.

00:46:01: Richtig!

00:46:01: Ja?

00:46:01: Das ist nicht irgendwie keine Ahnung vor zweieinhalb tausend Jahren weil da irgendwelche Ägypter irgendwas gemacht haben sondern nee das ist jetzt hier um die Ecke also historisch gesehen vorgestern

00:46:12: absolut.

00:46:13: ich muss da nochmal ein Film heranziehen.

00:46:16: tatsächlich mache nur ganz kurz

00:46:17: natürlich

00:46:18: Weil ich vorhin ja schon von dem angesprochenen YouTube-Kanal die zweite Produktion gesprochen habe.

00:46:22: Und der hat auch mal eine sehr gute Filmkritik gemacht.

00:46:24: zu den Filmen Fabian oder Der Gang Vor Die Hunde, äh von Dominic Graf das ist ne Verfilmung eines Erich Kestner-Romans, der kurz vor der Ergreifungen der Nazis neunzehnunddreißig rausgekommen ist und da geht es eben darum dass ein Figur sich quasi durch Äh das Deutschland der damaligen Zeit bewegt und dann schon so diese Diese ersten Schritte in Richtung Nazi Diktatur mitbekommt und das so beschreibt ne?

00:46:44: Und Dominic Grafts film macht was macht verfilmt das auch Aber stellt immer wieder Bezüge zu unserer Gegenwart her, indem er zum Beispiel die Figuren von damals schon über Stolpersteine in Berlin quasi stolpern lässt.

00:46:55: Die dann das ganz irritiert wahrnehmen und sagen hey was ist das denn?

00:46:58: Oder man sieht irgendwelche Hakenkreuze an der Seite, die offensichtlich graffitimäßig gemacht wurden also die zur damaligen Zeit nicht da hätten sein können, die aber trotzdem in dieser filmischen Diagese quasi drin sind so dass der Bezug zur Gegenwart... hergestellt.

00:47:11: Ach so,

00:47:12: ja okay.

00:47:12: Genau und das ist im Prinzip da hat er ein sehr schönes Zitat gebracht also dieser der Lukas Kurstedt alles was von dem Lukas aus der Munde eines Lukas kommt immer positiv zu werden.

00:47:22: Und zwar hatte er glaube ich sowas in die Richtung gesagt.

00:47:25: Dominik Graf macht hier klar, dass diese Zeit der Nazis eben noch nicht vergangen ist.

00:47:30: Sondern das sie in unsere Gegenwart immer weiter ragt.

00:47:33: Wir müssen nur ich glaube er sagt dann so ein zwei Straßenabgebigungen nehmen und sehen wieder neue alte Hakenkreuze irgendwie ne?

00:47:40: Also die Zeit ragt in die Gegenwart hinein Und das macht sich hier glaube ich auch klar.

00:47:44: also Die zeit ist eigentlich nicht abgeschlossen Auch wenn wir Sie in diesen Dokumentationen Spielfilm usw.

00:47:48: als Vergangenes abgeschlossenes Konstrukt wahrnehmen können.

00:47:51: Ja Aber sie macht klar Wir das nur können, weil wir es nicht subjektiv mit dieser emotionalen Dichte quasi von damals erlebt haben.

00:48:00: Sondern eben als Quasi-Konsumgut aus einer heutigen Sicht wahrnehmen können und das quasi als abgeschlossen danach ab oder zur Seite schieben können dann nach hinein.

00:48:11: Genau aber nur das Medium.

00:48:12: Richtig!

00:48:12: Die Dokumentation

00:48:13: ist irgendwann vorbei.

00:48:14: der Film ist zu Ende des Buches ausgelesen ja?

00:48:17: Aber das ist im Grunde nur so.

00:48:18: ein Blick durch einen aufbereitetes Schlüsselloch wenn man das so möchte.

00:48:22: Ja.

00:48:24: trägt sich das ja weiter.

00:48:26: Es gibt, also ich nenne es mal Phänomen, ich weiß nicht, also es gibt den Konzept der Epigenetik.

00:48:33: Das geht im Grunde darum dass Traumata aus vergangenen Generationen über Generation hinweg weitergegeben werden.

00:48:44: Kriegstraumata zum Beispiel ist das größte was hier in Deutschland so ist und diese werden Verhalten, Werte, Normen Sachen über die man sprechen darf und die verheimlicht werden Tabus.

00:48:59: Über was weiß ich?

00:49:01: Psychische Erkrankungen oder psychosomatische Erkrankung.

00:49:05: oder wird das über Generationen hinweg weitergegeben und trägt sich heute noch rum dass wir Wir, mit wir meine ich unsere Generationen.

00:49:18: Immer noch mit den Ausläufern und dem... Ja dem nennt man es dem Fallout, also den Denachwählen und den Nachwirkungen des Weltkrieges zu tun haben.

00:49:31: Also auch wir bei uns sickern dann immer noch die psychischen Erkrankungen durch ja?

00:49:36: Dann ist das irgendwie keine Ahnung.

00:49:38: der Alkoholismus von der Familiengeneration zur Generation weitergegeben wird oder was weiß ich die Depressionen oder was auch immer.

00:49:46: Da gibt's gerade so Familien Wo man dann hinterher herausfindet, du mein Vater ist nicht der Vater weil das geht gar nicht.

00:49:53: Weil er war nämlich zurzeit im Krieg eigentlich.

00:49:55: Wer ist denn jetzt mein Vater?

00:49:56: Da gab es noch einen anderen Mann und schon hatten wir plötzlich zwei Familiensysteme da irgendwie zusammen und dann wird das... Dann werden ein eigener Verhaltensweisen plötzlich erklärbarer manchmal, weil man denkt ja also stimmt!

00:50:10: Also sie hätten niemand... Das ist ja wie bei Game of Thrones.

00:50:12: Sie hätten niemand.. Der König hat gar keine braunen Haare.

00:50:15: Er hätte blonde Haare!

00:50:16: Also ist es jetzt nicht Robert Baratheon's Sohn oder so, also so die Nummer.

00:50:22: Und so beginnt sie ja hier auch diese Erzählung, nennen wir es mal Erzählungen oder diesen Text das von so kleinen Sachen, die in der Zeit wichtig waren nach und nach immer weitergegeben werden, auch die Scham, die sie beschrieben hat.

00:50:39: Die hat ja für die Generation davor irgendeine Funktion.

00:50:44: Die ist ja wichtig, warum auch immer aber für die Jugendgeneration halt eben nicht mehr und da ist sie hinderlich und dann lebt man ein Leben im Versteck und lebt nicht das was man möchte usw.

00:50:58: Und dann trägt sich das so rum

00:50:59: Ist ja im Prinzip, oder was ähnliches vielleicht?

00:51:02: Oder vielleicht damit verwandt wie diese ganzen evolutionären Dinge die uns über die Jahrhunderte und Jahrtausende weitergegeben wurden.

00:51:08: Also die Angst vom Dunkeln beispielsweise dass es da unheimlich ist, weil das historisch irgendwie als Gefahrenquelle quasi da war oder so oder noch andere Dinge die lebensgefährlich waren oder sowas, die dann so auch so Wahnsysteme oder Frühwarnsysteme bei uns dann begünstigt hat.

00:51:24: Also wenn wir Feuer nur so leicht anfassen wird es direkt heiß und unser Körper spürt das denn direkt quasi?

00:51:28: Genau das ist

00:51:29: zumindest etwas Evolutionäres.

00:51:32: Aber wie haben sie jetzt aktuell auch ich meine dieser der fremden Hass und die neue Rechte keine Neue mehr isst.

00:51:39: Das ist ja auch alles durchgesickert.

00:51:40: Ja Wenn ihr dann die die vierzehnjährigen Knallkörper siehst Die sich mit einem Hakenkreuz auf irgendwelchen Reddits und Instaposts irgendwie zur Show stellen, das sind ja auch Kinder von Leuten oder dies kam ja auch von irgendwo her.

00:51:57: Und von denen kam es ja auch irgendwo her.

00:51:58: vielleicht muss er nicht sein kann ja auch eine andere... Das trifft ja bis durch.

00:52:05: Genau, richtig!

00:52:06: Und das ist so ein Phänomen was glaube ich auch wiederum dadurch zu erklären ist dass eben diese emotionale Verknüpfung zur Vergangenheit entsprechend nicht besteht.

00:52:14: also dass man im Prinzip Hitler und die Nazis beispielsweise nur aus irgendwelchen Dokumentationen oder sowas kennt oder dass man vielleicht von Erzählungen irgendwie des Vaters oder das Opaus oder so kennt dann vielleicht auch eine dem gegenüber sehr negative Einstellungen hatte, sagt man mal so.

00:52:30: Und so wird das quasi weitergegeben.

00:52:31: Das kann aber nur weitergegen werden bei diese emotionale Verknüpfung zu zum Beispiel Konzentrationslagern gar nicht besteht sondern weil man es eben nur aus oder medial vermittelt kennt sozusagen.

00:52:41: Ja

00:52:42: also ist ja eine relativ schwere Vorstellung dass du quasi heute einen vierzehnjährigen Jungen in den Konzentationslager von damals setzt der dann wieder zurück kommt und sagt ja das müssen wir genauso machen Das ist ja wahrscheinlich relativ schwierig.

00:52:53: Nein, nein... Also das war jetzt dieses Beispiel mit dem vierzehnjährigen

00:52:59: Nazi.

00:52:59: Das war jetzt sehr... Nehmen wir es mal eindimensional!

00:53:03: Wenn du eine ganze Familie-Generation von Nazis hast, dann ist es recht nachvollziehbar dass die jungen Generation vielleicht auch ein Nazi wird.

00:53:10: Aber das muss ich einfach nochmal sagen, das ist nicht immer gegeben.

00:53:13: Es gibt

00:53:13: auch andere Gründe dafür.

00:53:14: Aber lustigerweise ist genau dieser Gedanke also du hast ja jetzt sehr explizit ausgesprochen sozusagen oder wir haben ja das generell hier schon zum Thema gemacht, die Nazi-Zeit in Deutschland und so weiter und sofort.

00:53:24: Das ist auch etwas an was ich direkt denken musste bei dem Lesen dieses Romanz.

00:53:27: irgendwie ne?

00:53:28: Weil man stellt sich hier unweigerlich die Frage okay wie ist das denn bei mir?

00:53:32: Was kenne ich denn für historische Zeiten, die mir medial vermittelt wurden?

00:53:35: und da es in Deutschland natürlich diese Zeit dann entsprechend völlig zurecht hat einen gewissen Schwerpunkt sag' ich mal.

00:53:40: Und dementsprechend kann man sich ja dann auch die Frage stellen ok wie ist eigentlich meine emotionale Verknüpfung dahingehend zu dieser Zeit im Endeffekt?

00:53:48: Kann ich da wirklich mit leiden aus einer Gegenwartsperspektive?

00:53:51: oder ist es eher so eine Form von, ich habe das mal erfahren und will nicht dass das nochmal passiert.

00:53:59: Und betrachte das aber im Großen und Ganzen recht nüchtern.

00:54:04: Im Sinne von, dass ich das zwar verhindern möchte, um Gottes Willen Perspektive heraus sozusagen.

00:54:10: Weißt du?

00:54:11: Dafür sind wir dann soweit weg,

00:54:13: vielleicht.

00:54:13: Und das ist glaube ich der Punkt, der hier auch angesprochen wird.

00:54:16: Also sie sagt zwar dass es bei Ania Noh in der Kindheit noch so ein bisschen da war also durch die Erzählungen der Eltern, die das ganz unmittelbar mitbekommen hat.

00:54:24: Sie erzählt ja dann auch von zum Beispiel Trümmern, die man teilweise immer noch gefunden hat.

00:54:28: Es gibt auch so... In der physischen Welt noch vorhandene Erinnerungsindikatoren oder so Initiatoren wenn man so will.

00:54:35: Die das also begünstigen und dass man dann doch relativ nah dran ist Wenn man das gerade aus einer Perspektive von heute sieht, also wir beide so Mitte-Dreißig sage ich jetzt mal oder Ende-Drei-Sicht.

00:54:48: Warum Mitte-dreißige?

00:54:50: Genau!

00:54:51: Wo es halt setzig-achtzig Jahre her ist diese Zeit über uns in der deutschen Geschichte sehr prägnant ist sagt man.

00:54:57: Dann ist es vielleicht schon ein bisschen nochmal schwieriger wahrscheinlich als es für Anja schon ist und sie beschreibt es schon als Sie hat eine gewisse Distanz zu dieser Zeit Im Endeffekt.

00:55:05: Ja klar, weil sie auch im Grunde danach aufgewachsen ist.

00:55:09: Sie hat es ja nicht als erwachsene Person miterleben.

00:55:11: Richtig und wirklich nochmal diesen Punkt dass das quasi so verschiedene Zeiten sind in dem man etwas erlebt hat also wir... Also diese Leute haben das wirklich in ihrer Gegenwart erlebt und wir erleben das quasi nur aus dieser Perspektive So als wäre das was damals geschehen ist auch in unserer Zeit quasi nur so.

00:55:28: Wir erkennen das nur medial vermittelt.

00:55:30: Es gibt da diesen Satz die Atombombe ist nicht in derselben zeit wie die schwarzmarktbutter Für diese Menschen erschienen.

00:55:35: Genau,

00:55:37: das meint im Grunde die Schwarzmarkt-Bute ist dass dieses was man anfassen kann das erlebte dieser wachsende Generation.

00:55:43: aber die Atombombe das war so weit weg.

00:55:46: und dann gibt es quasi so diese zwei Gegensätze oder Richtungen eigentlich in dieser Zeit gegeneinander arbeiten.

00:55:52: Das wird relativ deutlich, dass es zum einen das subjektive Erleben eines Menschen gibt also das was uns zu Individuen macht, was uns quasi auch nicht berechenbar macht wenn man so will... Was uns zu Menschen macht im Endeffekt und gleichzeitig diese Bewegung von Regierungsseite aus, das schon irgendwie alles so auf Linie zu bringen.

00:56:10: Durch zum Beispiel diese Bücher die man dann zum Schulabschluss geschenkt bekommt und von irgendwelchen vergangenen Helden, sodass quasi die Erinnerungen an vergangene Helden hervorgerufen wird?

00:56:18: Aber

00:56:18: auch das kenne ich... Also zur Jugend war ja mir auch ein seltsames Buch in der Hand bekommen.

00:56:22: Echt?

00:56:22: Ja na klar!

00:56:23: Irgendwie so eine... vielleicht war da jetzt keine Heldenverährung aber da haben wir alle so einen... Ich und die Welt oder so heißt das und er wurde bei dem vierzehnjährigen Ich weiß nicht, es war so eine Form von... vielleicht Lexikon.

00:56:37: Und da war halt ein bisschen Abriss von Historie.

00:56:40: und was ist die Welt?

00:56:41: Was sind die Kernschweitungen zum Kram?

00:56:44: Man gibt

00:56:44: den das somit und sagt hier guck mal, damit wir alle auf dem selben Stand

00:56:48: sind.".

00:56:48: Ja ja absolut!

00:56:49: Das habe ich nicht mitbekommen.

00:56:50: aber was auf jeden Fall eine Rolle gespielt hat, dass sich bestimmte Sachen.

00:56:54: Ich bin in den zweitausend an größtenteils aufgewachsen, das war so die Kindheitszeit.

00:56:58: Und was sich da immer noch durchgesetzt hat ist so dieses zum Beispiel Festfahren von Geschlechterrollen beispielsweise hier auch eine Riesenrolle spielt.

00:57:05: Wir hatten es vorhin schon erwähnt, das wird an manchen Stellen sehr explizit gemacht und am manchsten steht dann auch nur da dass die Männer jetzt am Tisch angefangen haben zu sprechen... ... lehnen sich zurück und hören zu, ne?

00:57:16: Also es ist... Und sie sind ganz erstaunt!

00:57:18: Weil auch die Schlacht von Verdun war der Krieg der Männer.

00:57:22: Richtig ja, genau.

00:57:24: Das ist etwas was ich auf jeden Fall auch noch mitbekommen habe.

00:57:26: Was ich dann stückweise jetzt in den letzten Jahren vor allem auch im größeren Teil der Gesellschaft aufgesplittert hat wenn man so will.

00:57:34: Klare Geschlechterrollen, geschlechter Fluidität usw.

00:57:40: Aber nochmal dieses quasi Gegenarbeiten von Individuum, also was ein Mensch von natürlicher Weise aus ist.

00:57:46: Und gleichzeitig wir wollen trotzdem all diese jungen Menschen irgendwie auf Linie bringen und denen ein einheitliches Lebenskonzept orientiert an bestimmten Eigenschaften von vergangenen Helden präsentieren so dass sie sich alle auch in diese Richtung potentiell entwickeln.

00:57:58: Und das quasi vor dem Hintergrund dieses Fortschrittsgedankens im Sinne von es muss immer weiter höher schneller rausgehen.

00:58:04: Also auch die Verknüpfung mit diesem kapitalistischen Gedanken von uns durchsetzen.

00:58:10: Wir müssen aber alle viel haben!

00:58:13: Genau, und wir müssen uns auch in so einem globalen Wettbewerb der Nation usw.

00:58:17: durchsetzten.

00:58:18: Und das ist ja an sich vielleicht erst mal nicht schlecht, weil der Gedanke dahinter... Der Gedankel dahinter ist gut erstmal, es wird ja keinen.

00:58:27: Also da stelle ich jetzt dem Frankreich der Zeit, die werden ja nicht mit Absicht ihr folgt oder die französische Bevölkerung.

00:58:34: Dann kommt wir verhunzen die jetzt mal über die nächsten Generationen.

00:58:38: Die machen das ja mit irgendeinem Sinn und Verstand.

00:58:41: Der aber vielleicht aus heutiger Perspektive nicht mehr ganz so passt dass du eben alle in eine Linie kriegst und irgendwie alle im Gleichmarsch laufen und am besten alle gut funktionieren weil dann arbeiten alle gleich viel genauso kann viel produziert werden und so weiter und sofort.

00:58:58: Es ist ja aus heutiger Sicht, das ist ja absolut Banane!

00:59:04: Und in dem Zusammenhang spielt auch Charme eine ganz große Rolle.

00:59:08: Der Charm ist ein guter Erziehungsknüppel den man da anlegen kann um die Leute schön auf ihre Position zu halten weil man ja glaubt okay das ist jetzt gerade wichtig, weil wir es brauchen.

00:59:23: Dass das natürlich nicht gut für das einzelne Individuum ist.

00:59:28: Das ist eine ganz andere Geschichte.

00:59:30: ich würde nur sagen dass die haben schon irgendeinen... Und vermeintlich guten Grund gehabt, warum sie diesen Maßstab oder dieses Rasiermesser angelegt haben um alle gleich abzuschälen.

00:59:42: Ja genau!

00:59:43: Oder weil man vielleicht auch Menschen- oder Gesellschaften misinterpretiert irgendwie ne?

00:59:47: Ich hatte lustigerweise... ich war jetzt in letzter Zeit sehr viel im Rahmen meines Berufes auf Fotoshooting unterwegs Und bin dann an einer Stelle an so ner Mariengrotte gewesen, weil wir so Kirchen und Klöster fotografiert haben.

00:59:58: Da war so ein älterer Mann der da auch gebetet hat

01:00:00: usw.,

01:00:01: und ich bin dann danach mit ihm ins Gespräch gekommen... ...und da hatte er auch gesagt die Jugend sportt ja nicht mehr.

01:00:07: Wir hätten uns das früher nicht erlaubt.

01:00:08: verzeiht, dass man da ein bisschen mehr Gewalt antwendet oder durch die Blume gesagt hat.

01:00:14: Es scheint sich irgendwie immer noch festgesetzt zu haben in manchen Köffen.

01:00:17: vor allem war auch ein ältere Herr muss man dazu sagen.

01:00:20: Entschuldigt jetzt nichts natürlich!

01:00:21: Und es ist in seiner Zeit noch ein bisschen normaler gewesen, sag ich mal.

01:00:25: So dass man solche Azimis-Methoden hat.

01:00:26: Naja

01:00:27: gut aber ob der jetzt auch so gespürt hat wie er das jetzt fordert ist natürlich erstmal was anderes ja?

01:00:35: Was natürlich sein kann.

01:00:36: vielleicht war das für den ja okay Aber für halt andere nicht.

01:00:41: Naja, das ist jetzt wieder etwas was so auch die Brüchigkeit von Erinnerung eigentlich beschreibt.

01:00:45: Ja genau!

01:00:46: Dass man quasi die Vergangenheit selbst idealisiert und das ist ganz interessant denn Anni Arno macht in diesem Buch auch an mehreren Stellen klar dass diese Erinnerungen nicht wirklich objektive Wahrheit sind.

01:00:57: Das wird jetzt hier noch nicht so stark aus differenziert.

01:01:00: ich glaube es wird noch mehr am Verlauf des Romans.

01:01:03: aber es gibt schon ein paar kleine...so knackser wo man sich denkt okay ist das jetzt wirklich wahr?

01:01:09: Was wir hier sehen, komplett.

01:01:11: Und zwar erstmal in der Hand... ... der Männer beispielsweise, die aus dem Krieg erzählen.

01:01:16: Es gibt bei denen nämlich eine Differenz... ... untereinander an die Erinnerung und an die Perspektiven,... …die sich eher in so einer Art Wunsch-Erinnerungen der einzelnen Individuen orientieren.

01:01:24: Die streiten sich nämlich darum, wer in der Vergangenheit mehr Heldenmut gehabt hat.

01:01:28: Wenn sie das Objektiv wüssten, müssten Sie nicht streiten!

01:01:31: Das heißt, sie wünschen sich, dass sie selbst dann eben der Stärkste waren, der Mutigste war und so weiter und so fort.

01:01:36: Und das behauptet dann jeder von sich sozusagen ne?

01:01:38: Und erzählt quasi eine eigene Biografie von sich selbst dadurch.

01:01:43: Die eigene Heldenbiografie.

01:01:44: Richtig, ganz genau!

01:01:45: Es gibt dann im Verlauf der Geschichte auch zu den Kindern die da nebenbei spielen meiner Meinung nach einen Widerspruch.

01:01:53: und zwar behauptet Anja Noe eine sehr hohe Aufmerksamkeitsspanne dieser Kinder die daneben bei spielen.

01:02:00: Und zwar sagt sie da, dass die Kinder nicht zuhörten.

01:02:02: Sie spielten und sie merken sich trotzdem alles... ...und dann später sagt ihr nochmal ja, die Kinder können das ja gar nicht richtig mitbekommen haben quasi weil die Heimer gespielt.

01:02:10: Wie sollen wir das quasi mit bekommen haben?

01:02:12: Also da gibt es einen Widerspruch auch.

01:02:14: Wobei ich sagen würde vielleicht ist merken... Das klingt erstmal so nach einem Bewussten wie wir tun so als würden wir spielen und hören zu.

01:02:20: Merken uns das als Lernprozess aber ich glaube nicht, dass das als lernprozesse gemeint ist sondern eher so ein.

01:02:27: Wir haben uns das gemerkt, weil diese Geschichten und dieses Verhalten der Erwachsen ja so präsent war dass es automatisch zur jüngeren Generation übergegangen ist.

01:02:40: Vielleicht gibt's nicht die Heldengeschichte vom Vater sondern vielleicht eher die Haltung des Vaters immer gut dastehen zu müssen oder sowas also eine eigene persönliche alltagshältengeschichte zu erzählen.

01:02:54: ja und wenn der vater natürlich immer darauf achtet dass man möglichst gut da steht vielleicht auch keine fehler eingesteht.

01:03:01: Oder irgendwie sich nicht entschuldigen muss oder oder dann säkert das in die nächste generation weiter.

01:03:08: Vielleicht ist das damit gemeint, sie haben sich alles gemerkt oder so.

01:03:11: Ja ich gebe dir vollkommen recht dass es auch an diesen Gesten und Mimiken orientiert werden kann beispielsweise die quasi weitergegeben wurden.

01:03:18: Annie Arno beschreibt her aber aus ihrer eigenen Vergangenheit auch teilweise sehr detailreich was die Eltern da besprochen haben.

01:03:25: Und wenn Sie das quasi das muss ja quasi richtig bewusst mitbekommen haben um es quasi original objektiv aufgeschrieben zu haben und da gibt's quasi einen Widerspruch.

01:03:35: Also wir dürfen ja nicht vergessen, dass quasi die Autorin, die hier dieses Buch geschrieben hat ihre eigene Biografie schreibt und dann aber auf der einen Seite sagt ich war ein Kind was da gespielt hat.

01:03:43: Die Kinder haben sich alles gemerkt was die Erwachsenen gesagt haben.

01:03:46: das behauptet sie dann über ihre eigene Erinnerung was sie aufschreiben kann.

01:03:50: und gleichzeitig sagt sie dann die konnten sich nicht alles gemärkt haben weil sie noch zu klein gewesen waren schreibt sie sogar ne?

01:03:57: Ja

01:03:58: also offensichtlich gibt es da eine Konstruktion von Vergangenheit

01:04:01: Und ich glaube, das ist ja mit der Erinnerung.

01:04:03: Es geht halt einfach beides!

01:04:05: Weil wir sind ja felsenfest der Meinung... Wenn ich dir jetzt eine Erinnerungen erzähle, irgendwas in Schwank aus der Jugend,... ...dass dann erzähl' ich das Jahr, dann gibt es einen Anfang im Mittelteil und ein Ende.

01:04:15: Da gibt's sowieso Narrativ was man sich noch baut und das Leben ist im... keine Narrativ, sehr keine Geschichte so.

01:04:22: Dinge passieren halt einfach aber wir bauen sie im Nachhinein als Geschichte zusammen.

01:04:26: mein Werdegang als weil das war bin ich das geworden oder so eine Nummer und ich glaube es gibt dann beides dass ich felsenfest der Meinung bin diese Erinnerung die ich dir jetzt erzähle hat auf jeden Fall stattgefunden genauso wie Sie die erzählen Aber letztendlich völlig anders, ganz anders und vielleicht ist es auch nicht mehr passiert.

01:04:49: Sondern ich habe diese Geschichte irgendwie mal gehört und gedacht die ist so geil!

01:04:52: Und hab mir angefangen dir als meiner auszugeben und seitdem wurde sie meine.

01:04:55: So eine Nummer.

01:04:56: Ich kann mich da auch an einen Streit mit meinem Vater erinnern der über zwei Wochen ging.

01:05:00: Da haben wir immer nicht miteinander gesprochen weil wir uns also gestritten haben.

01:05:03: Ich weiß gar nicht mehr worum's da ging tatsächlich.

01:05:05: Meistens so ja...

01:05:08: der Meinung, dass ich ihn beschimpft habe mit einem Wort.

01:05:12: Wo ich der Felsen fest überzeugen war, dass sich das nicht gemacht habe und er hat dann zwei Wochen lang oder ich glaube sogar noch länger erst mal nicht mit mir gesprochen.

01:05:18: Das ging auch relativ schwierig weil er auf Montage war immer unter der Woche.

01:05:20: D.h.

01:05:21: wir haben uns nur am Wochenende gesehen über den gewissen Zeitraum und da war dann der Fersenfesten überzeugend, dass Ich ihn beleidigt habe mit so einem Schimpfwort.

01:05:27: was ich jetzt nicht sagen werde War mir hundertprozent sicher, ich habe das nicht gemacht.

01:05:31: Nein du hast sich da verhört und wir beide haben quasi dieses Gespräch auf eine andere Weise erinnert was dann zu diesem Dissens überhaupt erst geführt hat ne?

01:05:38: Und das zeigt diese Brüchigkeit dann offensichtlich.

01:05:41: Für beide war es wahr!

01:05:42: Und für beide war's wahr absolut ja.

01:05:44: Sie macht aber nochmal in einer Stelle deutlich dass sie auch ihre eigene ihre eigenen Gedanken der Vergangenheit sozusagen nicht hundert prozent rekonstruieren kann.

01:05:52: das sagt ihr ganz klar.

01:05:53: und zwar erzählt sie davon im Urlaub mit ihrem Vater.

01:05:57: Ich lese es mal vor Bald wird sie neun Jahre alt.

01:06:00: Sie ist mit ihrem Vater im Urlaub bei einem Onkel und einer Tante, die Seilmacher sind.

01:06:04: Ihre Mutter ist in Schwedot geblieben.

01:06:06: Sie arbeitet im Ladenlokal der Familie das nie geschlossen hat.

01:06:10: Sonst flieht ihr... Pflicht ihr die Mutter das Haar immer zu zwei Zöpfen, windet sie wie einen Kranz um den Kopf und steckt sie mit Spangen- und Schleifen fest.

01:06:18: Entweder können der Vater oder die Tante die Zöpfung nicht mehr auf diese Weise feststecken... ...oder dass Mädchen nutzt die Abwesenheit der Mutter, um die Züpfe frei baumeln zu lassen?

01:06:25: Das weiß Sie allerdings schon nicht mehr!

01:06:27: Also weiß ich schon nicht

01:06:28: mal?!

01:06:28: Und dann schließt sie mit dem Satz schwer zu sagen was sie denkt wovon sie träumt, wie sie auf die Jahre seit der Befreiung zurückblickt woran sie sich erinnert.

01:06:36: Das heißt, sie stellt sozusagen ihre eigenen Erinnerungen schon in Frage und stellt diese als.

01:06:40: ich bin mir nicht ganz genau sicher was sich damals gedacht und getan habe.

01:06:43: Und so weiter und sofort da zumindest was ihr gedacht habt.

01:06:47: Ich glaube letztendlich ist es egal ob das jetzt stimmt oder nicht stimmt.

01:06:55: Ich denke etwas wichtiges ist der die Menge an Erinnerung.

01:07:03: Da macht's glaube ich die Masse, sag' ich jetzt mal ganz doof.

01:07:06: Ja es geht nicht darum ob das Einzige stimmt sondern es geht eher um den Vibe Den die Erinnerungen irgendwie noch mit, die die ganzen Erinnerung irgendwie mitgeben.

01:07:16: Ob die eine nicht stimmt oder noch fünfzehn anderen nicht stimmen aber irgendwie irgendwas ist da dran.

01:07:21: ob das jetzt so in einem Detail mit den Zöpfen vielleicht waren es auch gar nicht die Zöpfel sondern es war vielleicht einfach ein Kleid was sie nicht tragen musste oder irgend sowas.

01:07:28: Aber am Ende spielt es keine Rolle Sondern es geht eher darum Ah guck mal!

01:07:32: Die Mutter war nicht dabei.

01:07:33: Jetzt war irgendwas anders Als sonst, vielleicht war die Mutter eher so was Enges.

01:07:39: Wir müssen das so machen.

01:07:39: Du musst ein braves Mädchen sein und die Zöpfe müssen so

01:07:42: sein.".

01:07:42: Und diesmal war es nicht so sondern es geht eher um... Was steckt denn hinter den Erinnerungen?

01:07:48: Also was transportieren sie als außerhalb den Fakt?

01:07:52: Richtig, ja ganz genau.

01:07:53: Und ich glaube dass das wahrscheinlich so das ganz große Thema dieses Romans auch sein wird also Erinnerung in all seinen Facetten weil das ist das was wir jetzt hier quasi im Rahmen der letzten ein und vierzig Seiten die wir zuerst mal gelesen haben quasi mitbekommen haben.

01:08:06: erinnerungen allen facetten also erinnerung an bestimmte menschen an bestimmten gebäude an die trümmer beispielsweise Erinnerungen über fotografien über medien über spielfilme Erinnerung an Songtexte und so weiter, was wir in dieser Einladung hatten.

01:08:19: An Werbespots, eine bestimmte Gesellschaftserzählung, eine gewisse Gesellschaftsentwicklung usw.

01:08:23: Und dann aber wie sich diese Erinnerungen durch das Subjektive erleben formt?

01:08:28: Wie brüche ich das allerdings auch noch werden kann und wieder teilweise Schlüsseereignisse die wir als vollkommen wahrnehmen... ...in der Rückschau dann auch als könnte ganz anders sein!

01:08:38: wahrgenommen werden könnten.

01:08:39: Ich glaube, das wird das große Thema dieses Buches.

01:08:43: Das ist zumindest das was ich aus After Sun mitgenommen habe wo auch dieser Bezug hergestellt wurde.

01:08:47: denn dieses Mädchen in diesem Film oder diese erwachsene Frau Fügt dann sozusagen auch noch so einzelne Einstellungen quasi, die wir quasi als objektive Realität mitbekommen.

01:08:57: Hinzu, die irgendwie unplausibel würden.

01:08:59: So als würde sie im Nachhinein da nochmal den potenziellen Suizid ihres Vaters sich erklären.

01:09:03: also das sind auch Szenen drin zum Beispiel wo nur der Vater dann irgendwie mal in einem dunklen Raum sitzt und weint was sie nicht erlebt hat in dem Moment als kleines Kind.

01:09:12: Was sie sich konstruiert hat.

01:09:13: Sie füllt es dann?

01:09:14: Genau!

01:09:15: Und ich glaube diese Form von Füllung ist auch etwas was im Verlaufe des Buches auch eine Rolle spielen könnte.

01:09:19: Ich glaube dieses Hinterf... Fragen der eigenen Erinnerung, was wir jetzt hier an diesen drei Stellen, die ich jetzt mal hier eingedeutet habe, das noch nicht so stark hervorkommt.

01:09:26: Aber was auf jeden Fall schon drin ist, ich glaube es wird noch stärker und ich glaube dieses ganze Buch wird dann eine Art Auseinandersetzung mit genau diesem Thema.

01:09:34: oder wäre meine Vermutung?

01:09:35: Und wir zwei Pappnasen in unseren Mitte dreißigern in Deutschland in Erfurt lesen dieses Buch ja aber überlegt doch Überlegt doch mal, was passiert und mit uns passieren würde.

01:09:52: Wenn wir im Alter von Annie Arno wären in dieser Zeit aufgewachsen sind kriegen dieses Buch in die Hand und erleben quasi ja nicht die persönliche Biografie von Annie Erno sondern vielleicht nur einen Teilen Sondern er kriegen wir Die die Biographie einer ganzen Generation hier um die Ohren gehauen Ja und sitzen da Und erlebendes Quasi nochmal denke ich ja klar Ja das war bei mir auch so Genau so war das bei mir.

01:10:21: Wie stark und mächtig dann hier diese Sätze sind, also nicht auszumalen!

01:10:27: Genau.

01:10:28: Also diese ganze Erzählung sorgt... Das haben wir am Anfang festgestellt dafür dass wir auch selbst an unserer eigenen Kindheit unsere eigene Lebenstationen uns erinnern jetzt schon.

01:10:37: Und quasi aber auch währenddessen durch diese Punkte schon uns fragen können ja war das eigentlich wirklich so?

01:10:42: Habe ich vielleicht doch meinen Vater beleidigt?

01:10:44: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht hundert Prozent.

01:10:45: ich bin der festen Überzeugung, dass ich's nicht gemacht habe Aber könnte auch anders sein.

01:10:49: Es könnte auch an das sein, ja und ich stelle mir das krass vor wenn irgendjemand oder wir eine derartige Biografie über unsere Generation schreiben würden.

01:11:01: Das könnte man ja auch machen.

01:11:03: was werden dann so für Schlagworte?

01:11:05: wie sehen denn da die die Sätze aus?

01:11:07: Wir sind jetzt keine Trümmerfrauen oder so sondern wir sind irgendwie in den späten neunzigern und an den frühen zweitausenden ... wach geworden oder so.

01:11:16: Wir sahen da die Zeit aus, ja?

01:11:19: Oder wie... Da steht so was drin wie Limb Biscuit und New Metal und Baggy Pants.

01:11:27: Was ist das ungramm?

01:11:28: Ich meine Teil davon könnten wir auch noch in Annie Annous Buch bekommen, weil sie hat... Was ist

01:11:32: die Schreitur LimbBiscuit?

01:11:33: Nee das nicht.

01:11:33: aber zumindest sind ja zum Teil in den neunzigern groß geworden und Anfang zweitau und die erste Zeit der zweitaus sozusagen also sowas wie Nine Eleven hatten wir auch schon angesprochen.

01:11:43: Das ist auf jeden Fall eine so der ... früheren Kindheitserinnerungen, wo ich weiß wie sich die ganze Familie vom Fernseher versammelt hat.

01:11:48: Und dann lief der Nachrichtensender und alles ging nur noch um dieses Thema.

01:11:52: Das ist schon noch klar... ...und das ist ja etwas was hier vielleicht potenziell auch noch verhandelt werden könnte wenn es im Jahr ... ... oder bis zum Jahr zwei Tausend Sechs geschrieben wurde quasi ne?

01:12:00: Also bis zu zweitausend sechs handelt.

01:12:02: Von daher ist da ein bisschen was davon uns vielleicht auch noch drin aber wäre interessant zu sehen wie das heute, wenn wir Erwachsener sind ... ...quasi wäre über was jemand aus unserer Generation schreiben

01:12:11: kann tatsächlich.

01:12:12: Ja genau!

01:12:14: Ich musste sofort daran denken, wenn ich so darüber nachdenke.

01:12:18: Entwicklung des neuen Rechtsextremismus beispielsweise ist jetzt irgendwie ein Thema ... ... im Jahr zwei Tausend Fünfzehn die Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind und so weiter und so fort.

01:12:27: Das wäre schon spät ne?

01:12:29: Ja aber es ist auf jeden Fall ein wichtiger Teil dessen.

01:12:31: Also das ist einer der ersten Punkte die bei mir gerade aufploppen.

01:12:34: Vielleicht auch weil wir viel über Nazis gesprochen haben.

01:12:40: Ja gut, das kann natürlich sein.

01:12:42: Ich denke da zum Beispiel an ich hatte in der ersten Klasse noch Skifahrtafeln zum Schreiben lernen.

01:12:46: Also mit dem Schwamm und so Griffel oder wie das Ding hieß.

01:12:49: keine Ahnung also.

01:12:50: Ach ist

01:12:50: ja lustig.

01:12:51: Wie bei unseren kleinen Farben.

01:12:53: Das haben wir aber erst irgendwann später auch gefallen dass es wirklich seltsam war und sehr... Damals schon sehr alt backen.

01:12:59: Aber gut, na gut.

01:13:01: Dann kommt man schwärm die alte Vergangenheit.

01:13:04: Es war alles besser damals.

01:13:06: Vielleicht noch ein kleiner Punkt, den ich vergessen hatte der nochmal so die Subjektivität dieser Geschichte hervorruft.

01:13:12: Die erste Lebensstation, die wir haben ist der Blick auf das Bild eines Babys und da gibt es auch dann nicht mehr so viel was Anja nuns dazu erzählt.

01:13:22: also sie macht auch wirklich klar okay in dem Alter ... habe ich noch keine wirklichen Erinnerungen, die Aufzeichnung fängt später an.

01:13:28: Erst mit dem zweiten Foto im Alter von sieben Jahren oder so.

01:13:30: was wenn es

01:13:31: um das andere

01:13:31: Kind geht... Also beschreibt Sie selber so und dann erzählt sich ein bisschen von diesen Erzählungen also von diesen Geschichten am Tisch usw.

01:13:39: Das vielleicht noch so hervorzurufen?

01:13:44: Und was ich dann auch interessant fand war später als ihr in die Schule kommt dieser Unterschied zwischen zu Hause reden wir so und in der Schule reden wir anders und da gibt es einen

01:13:54: Bruch

01:13:55: Das erste Mal eine andere Welt, die aber auch irgendwie wichtig ist.

01:13:59: Weil zu Hause nennen wir es mal... also Indoktenierung?

01:14:03: Nein, das ist nicht.

01:14:04: Aber werde ich beeinflusst wie man so redet.

01:14:07: Man redet ja schon sehr ähnlich wie seine Eltern reden und dann plötzlich kommt da eine andere Autoritätsperson, der man mehrere Stunden täglich über mehrere Jahre geht oder die auch von einem was will ... lernt man eine ganz andere Sprache kennen, eben die Sprache aus der Schule.

01:14:23: Und das ist so ein... Ja, das kannte ich auch!

01:14:26: Das war so verrückt.

01:14:27: wenn man dann anfangen musste irgendwie ... ... Gedichte zu lernen in einem Haushalt in dem Gedichte oder klassische Musik keine Rolle gespielt haben ja?

01:14:35: Oder sich dann plötzlich mit Themen auseinandersetzen musste weil man irgendeinen Aufsatz oder einen Vortrag ... ... oder irgendetwas erarbeiten musste aber im Grunde in der Familie niemand helfen konnte.

01:14:44: Ja?

01:14:44: Oder auch ansatzweise nur irgendwie ... eine Verbindung schaffen, weil das nicht Teil der Lebensrealität dieser Familie ist.

01:14:53: Sondern einfach was Künstliches.

01:14:56: Jetzt kommt er da und muss plötzlich auf Englisch ein Gedicht lernen oder einen Vortrag über Goethe halten?

01:15:03: Oder Sunkram

01:15:05: ja?

01:15:05: Ich kann das mal kurz vorlesen ich habe mir die Stelle nämlich auch

01:15:07: ausgeschrieben.

01:15:09: Man lernt der Gedichte von Maurice Roninard Jean-Riche Pont Emil Ferren, jetzt kommen viele französische Namen.

01:15:16: Überspringen

01:15:16: die doch einfach?

01:15:17: Man lernt so viele Gedichte auswendig.

01:15:19: Sangen ein Lied oder wenn eine Textseite dir auch, wenn es so steht.

01:15:23: man schrieb Diktate nach Texten von Maurice Genovo und soweit an sofort oder dem und dem und bemühte sich null Fehler zu haben.

01:15:31: Chor auf und lernte was korrektes Französisch war.

01:15:33: Zu Hause wechselte man, ohne nachzudenken in die vertraute Sprache bei der man nicht auf jedes Wort achten musste sondern nur darauf was man sagen durfte und etwas nicht.

01:15:41: jene Sprache die man im Körper trug Die Sprache der Ohrfeigen Der Kittelschürzen Das Putzmittelgeruchs Der Äpfel die im Winter auf den Herd köchelten Des Urinstrahls der im Eimer landete der schnarchenden Eltern Ich finde diesen Satz auch gut die Sprache, die man im Körper trug.

01:15:58: Was auch diese emotionale Verbindung eben nochmal wieder hervorruft.

01:16:01: also nicht nur quasi durch das subjektive Erleben von bestimmten historischen Ereignissen sondern auch des Alltags erleben wie die Eltern und andere Verwandten mit einem Umgehen dass das eine Form von emotionaler Verankerung in einem günstig sozusagen.

01:16:13: Ja so wie man die Grammatikregeln im Kollektiv aufgesagt hat gibt es ja Regeln in der Familie die einfach nie niemals ausgesprochen werden, aber die jeder kennt.

01:16:24: Ja?

01:16:25: Es gibt sowas wie keine Ahnung.

01:16:26: wenn Papa anfängt zu schlofen dann hat er vielleicht schon zu viel getrunken und dann spricht man den nicht an.

01:16:32: irgendwie so was.

01:16:33: Aber da sagt die Mama nicht, es spricht dem Papa nicht an der zu viel Getrunken sind wird er böse nehmen.

01:16:37: mit Papa wird nicht gesprochen wenn der schloft ja irgendwie so ein Kram.

01:16:41: Und das zieht sich halt durch die ganze Familie in unterschiedlichen Schichten durch, also Schichten meine ich mit im Alltag.

01:16:48: Jeder mit jedem die Mutter mit dem Kind, die Kinder mit dem Vater, die kinder untereinander.

01:16:52: es gibt ja unglaublich viele unausgesprochene Regeln an die man sich dann automatisch hält weil man da reingewachsen wird und ich glaube das meint sie.

01:17:08: Ich bin mir gar nicht sicher, ob das an einer anderen Stelle vielleicht noch erwähnt wurde.

01:17:12: Aber ein neues soziales Gefühl gebildet sich ja dann auch in der Schule.

01:17:15: also nicht nur anhand von Autoritätspersonen meine ich sondern auch an hand von zum Beispiel Klassen oder sowas ne?

01:17:20: Oder dass es denn auch so... In der Grundschule so das unausgesprochene die unaus gesprochne Regel gibt legt dich ja nicht mit jemandem an der eine Klassensstufe über dir ist weil die sind richtig... Die sind gefühlt nochmal drei Meter größer als du.

01:17:33: Das solltest du nicht machen, schau den Jahr nicht schief an!

01:17:36: Ja genau.

01:17:38: Also dass ich da noch mal sowas bilde?

01:17:40: Genau also von meiner Seite aus wäre es das auch tatsächlich schon für diese Folge.

01:17:46: Für mich auch.

01:17:47: Es reicht erst mal für den Anfang, glaube ich.

01:17:49: Vielleicht uns wird noch mehr einfallen im Laufe der nächsten Fünfzigseiten?

01:17:54: Genau richtig und der nächste vier Folgen die Jahre aus dem Jahr acht von Annie Arnaud was wir nicht gesagt haben.

01:18:00: Wir haben die Ausgabe aus dem Sokampverlag uns besorgt.

01:18:03: Ich bin mir gar nicht sicher ob es eine andere Auflage oder eine andere Version in Deutschland gibt auf Lage zehn In meinem Fall bei dir wird's Die zwölfte okay wird sich aber wahrscheinlich ähneln und wir lesen beim nächsten Mal die Seiten fünfzig bis hundert.

01:18:16: Und was wir vielleicht noch dazu sagen können, hatten wir glaube ich in der letzten Folge schon mal gesagt aber ich wiederhol's gern, dieses Buch ist jetzt nicht wirklich in Kapitel oder sowas eingeteilt.

01:18:24: es gibt aber so kleine Lücken so Absätze Doppelabsetze gibt es.

01:18:29: Ja, also zum einen einfacher und dann auch so doppel absätze.

01:18:31: wir versuchen uns hauptsächlich ein doppel absetzen zu orientieren.

01:18:34: aber wir haben festgestellt dass sich das in manchen sachen auch an diesen einfachen absetzen sozusagen ganz gut regeln lässt.

01:18:39: und diese von diesen absätzen gibt es zum teil mehrere auf jeder seite und wir lesen immer zur obersten Zum ober zum oberste Absatz sozusagen Achso

01:18:48: okay gut ja da

01:18:50: stoppen werden immer.

01:18:52: Genau, das hat jetzt auch thematisch glaube ich bei diesen ersten Seiten ganz gut funktioniert.

01:18:57: Mal gucken wie sich das im Rahmen der nächsten vier Folgen gestalten lässt.

01:19:00: Guck mal!

01:19:01: Gut dann vielen Dank.

01:19:03: erstmal fürs zuhören.

01:19:05: erste Folge die Jahre und dann hört ihr uns in zwei Wochen wieder

01:19:10: genau.

01:19:11: macht's gut

01:19:12: bis dann ciao.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.